Solo für einen Dirigenten
Anna Netrebkos Karriere weckt die Erinnerung an ein anderes Glamour Girl, das Ende der 1950er-Jahre kometengleich aufstieg, um ein Jahrzehnt später als Sternschnuppe zu verglühen: «La Moffo». Wie Netrebko hat auch Anna Moffo weniger durch ihre Stimme als durch ihre physische Attraktivität die Blicke der Männer- und Medienwelt auf sich gelenkt. Dass Moffos Ruhm durch keine überragende künstlerische Leistung gedeckt war, macht die Wiederbegegnung mit ihrer Stimme auf einer Doppel-CD mit Arien und Szenen aus Massenets «Manon» und Puccinis «Manon Lescaut» deutlich.
Dabei hätte ihr die Rolle der launenhaft-koketten Manon doch auf den Leib geschrieben sein müssen.
Massenets lyrische Musik liegt Moffo entschieden besser als Puccini: «Je suis encore toute étourdie» singt sie mit koketter Naivität, «Adieu, notre petite table» mit verführerischem Augenaufschlag, die St. Sulpice-Szene mit erotisierendem Charme. Aber insgesamt fehlt es ihr an gestalterischer Raffinesse und jenen kleinen, von Massenet exakt notierten Zutaten des vokalen Ausdrucks, die diese Musik erst spannend machen. Giuseppe di Stefano als Des Grieux sekundiert undifferenziert und durchweg viel zu laut.
Schlicht überfordert ...
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