So viel Glück
In der Bühnenmitte steht eine Art Auge, Linse oder Fokus, darin dreht sich zuweilen Fortunas Rad, meistens aber öffnet sich eine Aussicht, auf das Meer zum Beispiel. Von rechts und links ragen Kulissen hinein wie im Barocktheater, aber sie sind schon ein bisschen beschädigt und ruiniert – als hätte man sie irgendwo gefunden und würde sie jetzt wiederverwenden.
Das Bühnenbild von Vivaldis «Il Giustino», mit dem die Berliner Staatsoper ihre Barocktage eröffnet, enthält schon alle Elemente der Inszenierung von Barbora Horáková: Thilo Ullrichs Szenerie schiebt das Bedeutungsvolle und das Zufällige ineinander; ob und wie diese Versatzstücke zusammenpassen, ist von untergeordneter Wichtigkeit. Das Bühnenbild wirkt unruhig, und das ist die Inszenierung im besten Sinne auch. Eva-Maria Van Ackers Kostüme haben die gleiche Wirkung: Eine Art Barock in der Unterhose auf der einen Seite, daneben aber auch Commedia dell’Arte, Sondereinsatzkommando und Friesennerz. Horáková macht aus Vivaldis Opernbeitrag zum Römischen Karneval des Jahres 1724 eine Nummernrevue von erheblichem Unterhaltungswert. Den eben auch szenisch sichtbaren Fokus legt sie dabei auf die Frage des «Glücks». Doch das greift ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Peter Uehlig
Als die Gründerväter der Bundesrepublik Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg darangingen, eine demokratische Verfassung zu erstellen, galt ihr Augenmerk vor allem drei Entitäten: einmal der Würde des Menschen (und den damit verbundenen Menschenrechten), der Gleichberechtigung und schließlich der Freiheit in all ihren Facetten. Auch für den Bereich der Kunst...
Francesca Zambellos Neuinszenierung von Strauss’ «Elektra» an der Washington National Opera profitiert in hohem Maße von ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Christine Goerke, die auch in dieser Produktion wieder einmal beweist, in welch fabelhafter stimmlicher Verfassung sie gegenwärtig ist. Nachdem sie 2008 erstmals die Chrysothemis verkörpert hatte, avancierte...
Die französische Barockoper ist außerhalb Frankreichs noch immer ein seltener Gast auf den modernen Bühnen. In Deutschland macht sie sich besonders rar. Einzig Rameaus bösartige Farce von der hässlichen Sumpfnymphe Platée und ihrer geplatzten Hochzeit mit dem Göttervater Jupiter hat es zu größerer Bekanntheit gebracht. Ein ganzes Jahrhundert zwischen Lullys und...
