So viel Glück
In der Bühnenmitte steht eine Art Auge, Linse oder Fokus, darin dreht sich zuweilen Fortunas Rad, meistens aber öffnet sich eine Aussicht, auf das Meer zum Beispiel. Von rechts und links ragen Kulissen hinein wie im Barocktheater, aber sie sind schon ein bisschen beschädigt und ruiniert – als hätte man sie irgendwo gefunden und würde sie jetzt wiederverwenden.
Das Bühnenbild von Vivaldis «Il Giustino», mit dem die Berliner Staatsoper ihre Barocktage eröffnet, enthält schon alle Elemente der Inszenierung von Barbora Horáková: Thilo Ullrichs Szenerie schiebt das Bedeutungsvolle und das Zufällige ineinander; ob und wie diese Versatzstücke zusammenpassen, ist von untergeordneter Wichtigkeit. Das Bühnenbild wirkt unruhig, und das ist die Inszenierung im besten Sinne auch. Eva-Maria Van Ackers Kostüme haben die gleiche Wirkung: Eine Art Barock in der Unterhose auf der einen Seite, daneben aber auch Commedia dell’Arte, Sondereinsatzkommando und Friesennerz. Horáková macht aus Vivaldis Opernbeitrag zum Römischen Karneval des Jahres 1724 eine Nummernrevue von erheblichem Unterhaltungswert. Den eben auch szenisch sichtbaren Fokus legt sie dabei auf die Frage des «Glücks». Doch das greift ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Peter Uehlig
Am Ende, wenn nach guten drei Stunden der Saal des Opernhauses zu Lille in orangerotem Licht erglüht, geschieht das bislang Ungesehene. Beim Auftritt der Solistinnen und Solisten herrscht ein Getrampel und Gejubel auf der Bühne, das seinesgleichen sucht. Dafür verantwortlich zeichnen Heerscharen von Kindern und Jugendlichen, die bei dieser Aufführung herausragend...
Ja selbst die Dümmsten, ja, die wirklich Doofen,
Die wissen: Hier, der Dings aus Bonn, der Typ
Der taub war und der deshalb ganz schön trüb
Gelaunt war und viel Zeit vor’m Zimmerofen
Verbrachte und den Rest der Zeit die Strophen
Der neunten Symphonie nach Schiller schrieb
Und dabei immer nur Zuhause blieb,
Ganz heiß gar auf stets neue Katastrophen!
Wie hieß der...
Für die Nüstern des Lesers von Edgar Allan Poes «The Fall of the House of Usher» ist er ein alter olfaktorischer Bekannter: der imaginierte schauerliche Moderduft dieses einen ungelösten Geheimnisses, der die Lektüre der Erzählung aus dem Jahr 1839 dunkel-feucht umhüllt. Ein Brief erreicht darin den Erzähler der Geschichte. Sein blaublütiger Freund ersucht ihn mit...
