Spiegelfiguren
Und der alte Cherubini? Das ist doch ein einziger Kerl! Ich habe da seine Abenceragen und kann nicht aufhören, mich an diesem petillanten Feuer, an den geistreichen eigenthümlichen Wendungen, an der außerordentlichen Zierlichkeit und Feinheit, mit der Alles geschrieben ist, zu erfreuen [...]. Dabei ist alles so frei und keck und so höchst lebendig». Das schreibt Felix Mendelssohn 1839 an George Onslow.
Da war Cherubinis Oper von 1813, die in Paris in ungekürztem Zustand nur 14 Aufführungen erlebt hatte und die – nie gedruckt – nach Napoleons Abdankung sehr bald verschwunden war, schon fast vergessen. 1828 hatte sie Gaspare Spontini in Berlin ein letztes Mal in einer von ihm selbst eingerichteten, im Einvernehmen mit Cherubini gekürzten Fassung aufgeführt. Davon gab es einen blassen, routiniert gemachten Klavierauszug, der allein Mendelssohns späte Begeisterung nicht hätte erklären können: Die lebendige Erinnerung an ein Meisterwerk, wie er es in Berlin mit eigenen Ohren gehört hatte, spricht aus seinem Brief.
Aber petillant, keck, zierlich – das sind doch überraschende Adjektive für ein Werk des Grand genre. Mit ihm war Cherubini, der erfolgreiche Komponist des Théâtre Feydeau, ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Klaus Heinrich Kohrs
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