Sinnliches und Übersinnliches
Der Titel dieses kleinen, feinen Bandes führt, wiewohl absichtsvoll, in die Irre. Richard Wagner war vieles, ein Anthroposoph war er gewiss nicht. Udo Bermbach will ihm derlei Weltsicht auch keineswegs andichten. Sein plausibler Angang in der Studie «Der anthroposophe Wagner» zeigt vielmehr einen Sonderweg in Sachen Wagner-Rezeption und beleuchtet den Gesamtkunstwerker und dessen Œuvre aus Sicht der zu Beginn des 20. Jahrhunderts populären Geisteswissenschaft mit spirituell-übersinnlichem Überbau namens Anthroposophie.
Insbesondere das, was Rudolf Steiner, der Vater der Bewegung, über den Komponisten dachte und schrieb, interessiert den kundigen Wagner-Forscher Bermbach.
Sein Blick ist so präzise wie aufschlussreich. Er zeigt – über die Tatsache hinaus, dass sie sich für ihre Zwecke beide einen Tempel errichten ließen (Wagner das Bayreuther Festspielhaus, Steiner das Dornacher Goetheanum) und, wenngleich in unterschiedlichem Grad, antisemitisch gesinnt waren – weit mehr Parallelen zwischen diesen beiden «Schöpfern» auf, als man gemeinhin denken sollte, ohne aber die Unterschiede unter den Teppich zu kehren. Bereits im Vorwort zitiert Bermbach dazu den Steiner-Biographen Heiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2022
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 29
von Jürgen Otten
Seit ihrer Eröffnung 2017 ist der Komponist Giorgos Koumendakis künstlerischer Leiter der griechischen Nationaloper, die in dem gigantischen Komplex des «Stavros Niarchos Foundation Cultural Center» im südlich vom Athener Stadtzentrum gelegenen Stadtteil Kallithea beheimatet ist. International bekannt wurde er unter anderem durch die Musik, die er für die...
In einem von der Pariser Opéra Comique vorab verbreiteten Interview begründet der sympathisch enthusiastische Raphaël Pichon seine Wahl der dritten Fassung von «Hippolyte et Aricie», die 1757, ein Vierteljahrhundert nach der überbordend reichen Erstfassung auf die Bühne kam, mit deren meisterlicher Kohärenz. Sie sei die Version «la plus ramassée, la plus directe,...
Märchen fragen nicht nach stringenter Handlungslogik, sondern nach dem tieferen Sinn und ebensolcher Erkenntnis. Sie schaffen Raum für Fantasien. Insofern passen die beiden Musiktheaterwerke, die die Oper Graz kurz nach dem neuerlichen Lockdown in einem Kraftakt an zwei aufeinander folgenden Abenden präsentierte, durchaus zusammen; auch wenn sie ihrer Entstehung...
