Sinnliches und Übersinnliches

Udo Bermbach analysiert mit Scharfblick Rudolf Steiners bizarre Sicht auf das Œuvre Richard Wagners

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Der Titel dieses kleinen, feinen Bandes führt, wiewohl absichtsvoll, in die Irre. Richard Wagner war vieles, ein Anthroposoph war er gewiss nicht. Udo Bermbach will ihm derlei Weltsicht auch keineswegs andichten. Sein plausibler Angang in der Studie «Der anthroposophe Wagner» zeigt vielmehr einen Sonderweg in Sachen Wagner-Rezeption und beleuchtet den Gesamtkunstwerker und dessen Œuvre aus Sicht der zu Beginn des 20. Jahrhunderts populären Geisteswissenschaft mit spirituell-übersinnlichem Überbau namens Anthroposophie.

Insbesondere das, was Rudolf Steiner, der Vater der Bewegung, über den Komponisten dachte und schrieb, interessiert den kundigen Wagner-Forscher Bermbach.

Sein Blick ist so präzise wie aufschlussreich. Er zeigt – über die Tatsache hinaus, dass sie sich für ihre Zwecke beide einen Tempel errichten ließen (Wagner das Bayreuther Festspielhaus, Steiner das Dornacher Goetheanum) und, wenngleich in unterschiedlichem Grad, antisemitisch gesinnt waren – weit mehr Parallelen zwischen diesen beiden «Schöpfern» auf, als man gemeinhin denken sollte, ohne aber die Unterschiede unter den Teppich zu kehren. Bereits im Vorwort zitiert Bermbach dazu den Steiner-Biographen Heiner ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: BUCH des Monats, Seite 29
von Jürgen Otten

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