Sinn als Erfahrung
Lieber Aribert Reimann,
sehr verehrte Damen und Herren,
der Zufall kann ein kluger Gefährte sein. Je näher der Termin der heutigen Laudatio rückte, desto häufiger beschlich mich ein Wort aus Bachs «Johannes-Passion». Es findet sich zu Beginn eines kontemplativen Bass-Ariosos und klingt fast wie Mörike: «Betrachte, meine Seel’, mit ängstlichem Vergnügen». Vergnügen der Vorbereitung auf den heutigen Tag: gewiss.
Aber eben auch die Frage, wie man denn in zwanzig Minuten einen Kosmos vorstellen soll, der nicht nur ein mehr als sechs Jahrzehnte intensiv ausgekostetes Komponistenleben umspannt, sondern auch das Leben eines Pianisten und Kammermusikers und, nicht zuletzt, das eines Pädagogen und Musikvermittlers?
Der Zufall – wie gesagt: ein kluger Gefährte – verwandelte das ängstliche Vergnügen in ein reines. Bei einem privaten Abendessen traf ich kürzlich, nein, nicht John Cage, aber Helmut Lachenmann. Und wie das so ist: Irgendwann konnten wir nicht mehr sitzen und wollten nicht mehr am großen Tisch smalltalken. Also wanderten Lachenmann und ich in einer Altbauwohnung in Berlin-Charlottenburg umher, und ich fragte ihn nach seinem Verhältnis zu Aribert Reimann. Die Stunde war ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Laudatio, Seite 44
von Stephan Mösch
Die Inszenierung ist schnell vergessen, obwohl der Ansatz interessant ist. Nichts Naturalistisches, kein Krieg, kein Kino, kein deutscher Stummfilm. Dan Jemmett hat sich für einen Rummelplatz entschieden. Vor der Schießbude von Kuno & Co kommt fast ein wenig Horváth à la «Kasimir und Karoline» auf. Das anfängliche Preisschießen macht noch neugierig, auch der...
Francis Poulencs Oper «Dialogues des Carmélites», die 1957 bei ihrer Erstaufführung in Köln von der Kritik verständnislos aufgenommen wurde, macht gegenwärtig die Runde an deutschsprachigen Bühnen. Mit dem gebührenden historischen Abstand nimmt man endlich auch hierzulande wahr, dass es sich um ein musikalisches Meisterwerk handelt. Nur vordergründig geht es um das...
Eine Story wie aus einem Boulevard-Blatt: Ein Haus steht zum Verkauf. Nadja, deren Eltern kürzlich verstorben sind, führt die Interessenten in Begleitung des Maklers Axel Freund durchs Haus. Als Nachbarn enthüllen, dass hier Blut geflossen ist – Nadjas Mutter erstach ihren Mann, bevor sie sich selbst das Leben nahm, denn Nadja «stand wohl dem Vater zu nah» –...
