Verdi, romantisch
Es dürfte hauptsächlich rezeptionsgeschichtliche Gründe haben, dass die 1849 entstandene «Luisa Miller» noch immer zum frühen Verdi geschlagen wird. Denn was die dramatische Stringenz und die Verknappung der musikalischen Mittel angeht, steht diese dritte Schiller-Veroperung Verdis schon fast auf dem Niveau des «Rigoletto» – hier wie dort herrscht Erbarmungslosigkeit, die die Figuren mit jeder Nummer ein Stück weiter in den Abgrund treibt.
Und hier wie dort liegen die Gefühle und Interessen so nackt und bloß, dass man keine szenische Opulenz aufbieten muss, um sie zu unterstreichen. Eher tut dem Stück ein schau-, und kammerspielhafter Ansatz gut, der die formalen Zäsuren der Nummernoper als innere Entwicklung der Figuren beglaubigt und so den zukunftsweisenden Charakter der Musik betont.
Erstaunlich, dass ausgerechnet in Lyon rein gar nichts von dieser Qualität zu sehen ist – das Haus hat sich schließlich in der Vergangenheit immer wieder durch Regietheater profiliert. Und eigentlich ist der für die «Luisa» verpflichtete David Alden auch jemand, der Stücken auf den Grund gehen kann. Doch leider ist in dieser Produktion kaum etwas von der Qualität geblieben, die etwa die gefeierten ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Interview, Seite 30
von Jörg Königsdorf
Man kann sich bei Barrie Kosky auf einiges verlassen: seinen Hang zur Überbetonung, zum Showhaften, zum Gag. Aber mit ein bisschen Glück mischt sich zum Glamour auch die starke Geste, zum Vorlauten auch das stille Moment.
Für Letzteres ist im hannoverschen «Ring», der jetzt mit «Siegfried» in die Zielgerade einbiegt, vor allem das stumme Erda-Double zuständig:...
Das Fest blieb bei den Berliner Festtagen aus. Auch musikalisch. Das Programmheft druckte eine undatierte Erinnerung ab, in der Julius Kapp, Dramaturg der Berliner Uraufführung 1925, darlegt, dass sich «die Wozzeck-Partitur (...) häufig zur Sechs- und Siebenstimmigkeit entwickelt». Davon hörte man in der 12. Reihe des Schiller Theaters meist nur eine bis zwei...
Er hat ja schon etwas von einer Maschine, dieser Kalaf. Wie er stählern und furchtlos der grausamen Prinzessin gegenübertritt und ohne den Schatten eines Zweifels seinen Plan durchzieht, bis sie ihm gehört. Wohl deswegen wird er häufig als Machtmensch in-
szeniert. Mariusz Trelinski will es in Warschau anders machen: Ein Intellektueller ist Kalaf, sagt er, voller...
