Comic Strip
Thilo Reinhardt inszeniert erst gar nicht den «Tanz der sieben Schleier», wie ihn Richard Strauss, vor allem aber Oscar Wilde erdacht haben, sondern lässt währenddessen Herodes auf den übergroßen Phallus des Propheten einhauen, als hieße der nicht Jesus, sondern Lukas.
Nicht genug damit: Während sich die Bühne der Komischen Oper immer schneller um die eigene Achse dreht, um angeblich neue Einblicke in das Seelenleben Salomes zu gewinnen, läuft die Fantasie des Regisseurs Amok: Bin Laden ist in einer Nische zu entdecken, vermutlich eine Bombe bastelnd; auch Jochanaan ist mit dabei, wiedergeboren als Revolutionsführer Che Guevara; nicht zuletzt die Juden, die sich in einem masochistischen Massenakt selbst ans Messer liefern beziehungsweise ans Kreuz nageln.
«Für uns ist der Tanz eher ein Comic-Strip», meint Thilo Reinhardt dazu im Programmheft, «in dem die Lüste und Ängste der Protagonisten wie in einem alptraumhaften Bilderbogen vorüberziehen», und erklärt damit ein plakatives Regiekonzept, das die Geschichte eher aus unserer sexualisierten Gegenwart heraus interpretiert als aus ihrem biblischen Hintergrund. Bezeichnend schon der Beginn, der nicht mit einem Ton des Komponisten ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Hartmut Regitz
ARTE
1./7./13.6. – 6.00 Uhr
Arturo Benedetti Michelangeli
spielt Debussy: Préludes.
2.6. – 6.05 Uhr
8.6. – 6.00 Uhr
14.6. – 6.10 Uhr
Orlando di Lasso: Lagrime di San Pietro.
Collegium Vocale Gent, Philippe Herreweghe.
3.6. – 6.00 Uhr
Thomas Quasthoff singt
Mahler: Kindertotenlieder. Sächsische Staatskapelle Dresden, Zubin Mehta.
3.6. – 16.20 Uhr
Die Pariser Opéra Garnier.
Dokume...
Sie schleppt sich dahin, die Wiederentdeckung des Opernkomponisten Georg Philipp Telemann. Zwar steht immer wieder eines seiner Bühnenwerke auf dem Spielplan eines deutschen Opernhauses, doch belegen diese Aufführungen meist vor allem Unentschlossenheit – zwischen den Polen hausgemachten Ensembletheaters und historisierendem Spezialistentum hat sich bislang noch...
Es dürfte hauptsächlich rezeptionsgeschichtliche Gründe haben, dass die 1849 entstandene «Luisa Miller» noch immer zum frühen Verdi geschlagen wird. Denn was die dramatische Stringenz und die Verknappung der musikalischen Mittel angeht, steht diese dritte Schiller-Veroperung Verdis schon fast auf dem Niveau des «Rigoletto» – hier wie dort herrscht...
