Comic Strip
Thilo Reinhardt inszeniert erst gar nicht den «Tanz der sieben Schleier», wie ihn Richard Strauss, vor allem aber Oscar Wilde erdacht haben, sondern lässt währenddessen Herodes auf den übergroßen Phallus des Propheten einhauen, als hieße der nicht Jesus, sondern Lukas.
Nicht genug damit: Während sich die Bühne der Komischen Oper immer schneller um die eigene Achse dreht, um angeblich neue Einblicke in das Seelenleben Salomes zu gewinnen, läuft die Fantasie des Regisseurs Amok: Bin Laden ist in einer Nische zu entdecken, vermutlich eine Bombe bastelnd; auch Jochanaan ist mit dabei, wiedergeboren als Revolutionsführer Che Guevara; nicht zuletzt die Juden, die sich in einem masochistischen Massenakt selbst ans Messer liefern beziehungsweise ans Kreuz nageln.
«Für uns ist der Tanz eher ein Comic-Strip», meint Thilo Reinhardt dazu im Programmheft, «in dem die Lüste und Ängste der Protagonisten wie in einem alptraumhaften Bilderbogen vorüberziehen», und erklärt damit ein plakatives Regiekonzept, das die Geschichte eher aus unserer sexualisierten Gegenwart heraus interpretiert als aus ihrem biblischen Hintergrund. Bezeichnend schon der Beginn, der nicht mit einem Ton des Komponisten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Hartmut Regitz
«12 musiktheatralische tableaux» kündigt der Untertitel von Christian Josts Musiktheaterwerk «Hamlet» an – solcherart andeutend, dass er die Handlung zuzuspitzen sucht: auf charakteristische Momente, in denen die Essenz des Ganzen fassbar wäre. Das freilich würde voraussetzen, dass man sich für eine vieler denkbarer Lesarten entschiede: Soll es um die politische,...
Lieber Aribert Reimann,
sehr verehrte Damen und Herren,
der Zufall kann ein kluger Gefährte sein. Je näher der Termin der heutigen Laudatio rückte, desto häufiger beschlich mich ein Wort aus Bachs «Johannes-Passion». Es findet sich zu Beginn eines kontemplativen Bass-Ariosos und klingt fast wie Mörike: «Betrachte, meine Seel’, mit ängstlichem Vergnügen». Vergnügen...
Klingt gut. Kurze Stücke zeitgenössischer Komponisten, frisch aus dem Laptop, professionell produziert. Zeitopern für Leute, die mit Covent Garden eher Gaukler, Straßenmusikanten und Cafés als die Stars im hohen Haus assoziieren. Einer solchen Klientel kann man nicht mit Adès oder Birtwistle kommen, glaubt das fürs Linbury, die Werkstattbühne der Royal Opera,...
