Singen von der Vergangenheit
Die Faszination von Musikern aus dem United Kingdom für die tschechische Musik ist ein Phänomen. Charles Mackerras war lange Zeit der führende Dirigent in Sachen Janáček, in seine Rolle ist mittlerweile Simon Rattle geschlüpft. Brian Large wiederum, der führende Opern- und Klassik-TV-Regisseur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, berichtet in seiner kürzlich erschienenen, äußerst lesenswerten Autobiographie von seiner tiefen Tschechien-Begeisterung. In seinem Fall ging sie von Musik und Person Bohuslav Martinůs aus. Eine Janáček-Biographie hatte er geplant.
Was macht die Verbundenheit aus? Woher die Faszination? Ist es – im Fall von Janáček – die Freude am Exotismus, der diese Musik durchaus charakterisiert? Fühlen sich die späten Söhne eines Seefahrervolks besonders davon angezogen? Von Partituren, die es wie fremde Landkarten erst einmal zu entschlüsseln gilt?
Simon Rattle hat an der Staatsoper Unter den Linden nun einen Janáček-Zyklus mit den sechs gängigen Opern des Komponisten zum Abschluss gebracht – ein Projekt, das über einen Zeitraum von 15 Jahren reichte. Im «Schlauen Füchslein» ist noch einmal zu bestaunen, was Rattles Dirigieren im Fall von Janáček ausmacht: die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Clemens Haustein
Wie konnte so ein großer Dirigent so ein großer Nazi sein?», fragte der Schriftsteller und Auschwitz-Überlebende Elie Wiesel den Pianisten Alexis Weissenberg, der mit Herbert von Karajan während der 1970er-Jahre mehrfach auftrat. Die klare Antwort Weissenbergs, jüdischer Herkunft wie Wiesel: «Er war kein Nazi. Es ist ein großes Unrecht, ihn Nazi zu nennen.»
Was ist...
Am Anfang war das heilige Wort, am Ende steht das losgelassene Mundwerk: Auf diese laxe Formel könnte man die 1000-jährige Entwicklung von der einstimmigen Gregorianik zur experimentellen Avantgarde der Gegenwart bringen, die das Wort zertrümmert, seine Semantik negiert und es in seine phonetischen wie akustischen Bestandteile zerlegt. Das Singen selbst wird zu...
Ach ja, das Ende. Heiß umstritten ist es bis heute, ziemlich genau 100 Jahre nach der politisch brisanten Uraufführung an der Mailänder Scala – Arturo Toscanini hatte sich für den Fall, dass Benito Mussolini im Saal sitzen und zu dessen Ehre die Hymne der Faschisten, die sogenannte «Giovinezza», gespielt werden würde, geweigert, den Abend zu dirigieren, und ging...
