Singen von der Vergangenheit
Die Faszination von Musikern aus dem United Kingdom für die tschechische Musik ist ein Phänomen. Charles Mackerras war lange Zeit der führende Dirigent in Sachen Janáček, in seine Rolle ist mittlerweile Simon Rattle geschlüpft. Brian Large wiederum, der führende Opern- und Klassik-TV-Regisseur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, berichtet in seiner kürzlich erschienenen, äußerst lesenswerten Autobiographie von seiner tiefen Tschechien-Begeisterung. In seinem Fall ging sie von Musik und Person Bohuslav Martinůs aus. Eine Janáček-Biographie hatte er geplant.
Was macht die Verbundenheit aus? Woher die Faszination? Ist es – im Fall von Janáček – die Freude am Exotismus, der diese Musik durchaus charakterisiert? Fühlen sich die späten Söhne eines Seefahrervolks besonders davon angezogen? Von Partituren, die es wie fremde Landkarten erst einmal zu entschlüsseln gilt?
Simon Rattle hat an der Staatsoper Unter den Linden nun einen Janáček-Zyklus mit den sechs gängigen Opern des Komponisten zum Abschluss gebracht – ein Projekt, das über einen Zeitraum von 15 Jahren reichte. Im «Schlauen Füchslein» ist noch einmal zu bestaunen, was Rattles Dirigieren im Fall von Janáček ausmacht: die ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Clemens Haustein
Das Paradies? Nun ja, auf Erden wird man es vergebens suchen, dort, wo Lebewesen ihrer Identität häufig schon beraubt sind, noch bevor sie eine solche überhaupt entdecken und entwickeln können. Menschen wie Agnès, die im unschuldigen Alter von 14 Jahren von dem reichen «Protector» als Ehefrau vereinnahmt und in einen imaginären Glaskäfig gesteckt wurde, wo sie...
Man kann in der Weser baden. Man kann es auch sein lassen, denn sie ist wie jedes Gewässer dieser Art unberechenbar. Lastkähne ziehen ihre Kielspur durch den Strom, der schon mehrmals vertieft wurde, die Fließgeschwindigkeit ist hoch, die Verwirbelungen werden unterschätzt. Das alles hält Nadine Lehner nicht davon ab, am Strand beim Café Sand ins Wasser zu steigen....
Die Räume im Palast mögen weiträumig sein, dennoch herrscht klaustrophobische Enge. Jedenfalls für Lisa. Die junge Frau steckt in einem Kinderzimmer fest wie in zu klein geratenen Kleidern. Dass ihre Puppen mitwuchsen, schränkt die ohnehin geringe Bewegungsfreiheit noch weiter ein. Lisa haust im Puppenheim. Infantilisiert, letztlich entmündigt. Den prospektiven...
