Singen von der Vergangenheit
Die Faszination von Musikern aus dem United Kingdom für die tschechische Musik ist ein Phänomen. Charles Mackerras war lange Zeit der führende Dirigent in Sachen Janáček, in seine Rolle ist mittlerweile Simon Rattle geschlüpft. Brian Large wiederum, der führende Opern- und Klassik-TV-Regisseur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, berichtet in seiner kürzlich erschienenen, äußerst lesenswerten Autobiographie von seiner tiefen Tschechien-Begeisterung. In seinem Fall ging sie von Musik und Person Bohuslav Martinůs aus. Eine Janáček-Biographie hatte er geplant.
Was macht die Verbundenheit aus? Woher die Faszination? Ist es – im Fall von Janáček – die Freude am Exotismus, der diese Musik durchaus charakterisiert? Fühlen sich die späten Söhne eines Seefahrervolks besonders davon angezogen? Von Partituren, die es wie fremde Landkarten erst einmal zu entschlüsseln gilt?
Simon Rattle hat an der Staatsoper Unter den Linden nun einen Janáček-Zyklus mit den sechs gängigen Opern des Komponisten zum Abschluss gebracht – ein Projekt, das über einen Zeitraum von 15 Jahren reichte. Im «Schlauen Füchslein» ist noch einmal zu bestaunen, was Rattles Dirigieren im Fall von Janáček ausmacht: die ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Clemens Haustein
Entspringt es mangelnder Spielplanabsprachen zwischen den Intendanzen oder einem tieferen gesellschaftlichen Anliegen, dass derzeit Francis Poulencs Tragödie «Dialogues des Carmélites» landauf, landab, zwischen Dresden, Karlsruhe, Nancy und demnächst in Stuttgart zu sehen ist? Wollen sich auch kleinere Opernhäuser mit dem Etikett «Erstaufführung» schmücken? Oder...
Param Vir, indisch-britischer Komponist, ist schon 1992 bei der seinerzeit von Hans Werner Henze geleiteten Münchener Biennale in Erscheinung getreten mit zwei Operneinaktern, in denen es um buddhistische Fabeln ging. Danach erschienen im großen Abstand zwei weitere Musiktheaterwerke und nun in Bonn eine neue Oper über Siddhartha Gautama und seinen Weg zum Buddha....
Das Paradies? Nun ja, auf Erden wird man es vergebens suchen, dort, wo Lebewesen ihrer Identität häufig schon beraubt sind, noch bevor sie eine solche überhaupt entdecken und entwickeln können. Menschen wie Agnès, die im unschuldigen Alter von 14 Jahren von dem reichen «Protector» als Ehefrau vereinnahmt und in einen imaginären Glaskäfig gesteckt wurde, wo sie...
