Masse und Macht

Britten: Peter Grimes am Staatstheater Braunschweig

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Ergeben reißt ein schmalschultriger, lockenköpfiger Junge die Arme nach oben – und fällt in die Tiefe.

Ist er gestolpert? Hat er sich absichtlich hinunter in den Tod gestürzt? Oder ist er vor Erschöpfung schlicht zusammengebrochen? Und was hat sein Lehrmeister, der Fischer Peter Grimes, damit zu tun, der von den Dorfbewohnern argwöhnisch beäugt wird und in dessen Obhut schon einmal ein Kind verunglückte?

Die Stärke der Neuproduktion von Benjamin Brittens «Peter Grimes» am Staatstheater Braunschweig liegt darin, dass sie auf diese Fragen keine eindeutige Antwort gibt und so die Vieldeutigkeit des Originals treu übernimmt. Ähnlich vage bleibt das Hauptmotiv des Abends: das Meer. Bühne und Kostüm belassen es bei maritimen Anspielungen: Taue, Gummistiefel, wetterfeste Anoraks. Das konkrete Bild des Ozeans wird ausgespart, nimmt aber gerade deshalb in der Imagination des Publikums umso schärfere Formen an. Auch im Orchester ist es mit flirrenden Flöten, schwelgenden Streichern und bedrohlich brausendem Blech allgegenwärtig. Aber Achtung, hier geht es um mehr als weihevolle Naturbilder. Das Meer, das Küstenbewohner Britten kannte wie seine Westentasche, steht in «Peter Grimes» für die ...

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Opernwelt April 2026
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Anna Schors

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