Sieben Fragen an Wolfgang Katschner
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
Gar nicht, höchstens bei kurzfristigen Umbesetzungen.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Oper geht überall.
Ihr Geheimrezept fürs Überleben während der Proben?
Heimlich E-Mails und sonstige Textnachrichten schreiben.
Welche Oper halten Sie für überschätzt?
Keine. Das ist immer eine Frage der Interpretation.
Welche Oper halten Sie für unterschätzt?
Jede, an der ich gerade arbeite.
Woran arbeiten Sie gerade?
«Musical Belongings», gemeinsam mit indischen Musikerinnen im Berliner Humboldt-Forum.
Ihre Lieblingsoper von van Beethoven?
Die sechste Symphonie («Pastorale»).
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 79
von
Die Wirklichkeit ist eine (im besten Sinne) merkwürdige Angelegenheit. In jeder Sekunde tauchen wir in sie ein, nur wähnend, was uns in ihren Tiefen erwartet, was sie uns entgegenbringt, ja: woraus sie grundlegend besteht und als was wir dieses Grundlegende deuten dürfen. Wir definieren Wirklichkeit und müssen doch zugestehen, dass dies wenig nützt, weil die...
Letzte Dinge haben den Menschen schon immer interessiert, im Grunde seit jenem (sonnigen?) Tage, an dem er die Erde betrat, um sie und alles, was darauf herumkreuchte und -fleuchte, sich untertan zu machen. Insbesondere Endzeitvisionen waren von jeher in Mode, die Mächte des Thanatos mindestens so virulent wie die seines Kontrahenten Eros. Von den apokalyptischen...
Die Schwestern Nadia (1887–1979) und Lili Boulanger (1893–1918) gehören zu den Ikonen der Gender-Musikgeschichtsschreibung. Die frühverstorbene Lili, in Nadias Überzeugung die erste bedeutende Komponistin, hinterließ ein schmales, aber gewichtiges Œuvre. Nach Lilis Tod empfand Nadia ihr eigenes Schaffen als «überflüssig», gab das Komponieren auf und stellte ihr...
