Dunkle Räume, helle Puppen
Hätte irgendeine Art von Schöpfer auf Bazon Brock gehört, der Tod wäre längst abgeschafft. Doch dann gäbe es auch Claudio Monteverdis «L’Orfeo» nicht.
Die berühmte Favola in Musica von 1607, die vom Leuchten und vom Leid des großen Sängermenschen und Menschensängers Orfeo in derart schönen, schmerzvollen Tönen erzählt, dass man ihr Fehlen – gäbe es sie nicht – als Mangel empfinden würde: ein Paradox, wie es in einem (zu) oft bemühten Geburtstagslied zum hohlen Ausdruck kommt: «Wie schön, dass du geboren bist, wir hätten dich sonst sehr vermisst.» In der Hannoveraner Interpretation von Silvia Costa existiert in der Tat überraschend ungeborenes Leben: Euridice ist – bevor sie (was wir bekanntlich gar nicht sehen, sondern nur zugetragenbekommen) durch einen Schlangenbiss stirbt – schwanger. Auch schafft sie es nach der nicht gezeigten Geburt noch, kurz von links mit dem zeitlos designten Kinderwagen aufzutreten. Surreal vollziehen die Bühnenmenschen auch bald Bewegungen im expressiven Gleichschritt. Das ist hochsymbolisch – und gleichzeitig herrlich losgelassen, im besten Sinne «sinnlos» und doch sachdienlich: Wir erleben eine tragische Hypnose, ein Trauer-Delirium. Entsprechend liegt ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Arno Lücker
Einer derjenigen, die entdecken, die forschen, schürfen. Einer von denen in der Welt des Musiktheaters, die nicht «loslassen» können, wenn es um Unerforschtes, um Unentdecktes, genauer: um Opern und Opernstoffe geht, die am Rande des manchmal so einfallslos das Immergleiche aufbietenden Repertoires ihr Dasein fristen. Das war Andreas K. W. Meyer.
Meyer, im Juni...
JUBILARE
Elisabeth Glauser kam am 1. Juni 1943 im schweizerischen Interlaken zur Welt; dort also, wo mehrere aus Deutschland kommende ICE-Züge inzwischen enden. Zunächst studierte Glauser Gesang am Berner Konservatorium. Anschließend wechselte sie nach Stockholm, um zwischen 1971 und 1973 als festes Ensemblemitglied am Stadttheater Pforzheim zu arbeiten. Weitere...
Von Venedig nach Neapel: Nach Cavallis «La Calisto» zeigt das Teatro alla Scala nun «Li zite ’ngalera» (Die Verlobten auf der Galeere) von Leonardo Vinci und fügt seiner Auseinandersetzung mit dem Barockmusiktheater ein Stück hinzu, das bisher im Mailänder Spielplan fehlte. Bei Vincis Oper handelt es sich um eine Commedia per musica – die erste, deren Manuskript...
