Dschungeltiere
Seit 2015 leitet François-Xavier Roth die Kölner Oper als Musikchef: eine Zeit der Provisorien, des finanziellen Missmanagements und der organisatorischen Plagen, welche die bis heute nicht abgeschlossene Sanierung von Opern- und Schauspielhaus am Offenbachplatz mit sich brachte. 2025 wird Roth als Chefdirigent zum SWR Symphonieorchester zurückkehren, das er einst im Zorn über die Fusion der beiden Klangkörper aus Stuttgart und Baden-Baden/Freiburg verließ. Ob er dann die Kölner Zeit in guter Erinnerung haben wird, weiß nur er selbst.
Zweifellos aber hat er Spuren hinterlassen – vor allem als kluger Programmplaner für die Konzerte des Gürzenich-Orchesters, mit dem er eine breite Stilpalette von der frühen Klassik bis zur (vorzugsweise französischen) Moderne einstudiert hat. Selten präsentierte sich das Orchester in seiner jüngeren Geschichte klanglich so feinnervig und flexibel. Roths Vorstellung einer «Musik als Klangrede», die er mit dem von ihm gegründeten Orchester Les Siècles erprobt hat, bewirkte in der Musik der Romantik oder des Impressionismus wahre Wunder an Intensität und faszinierender Detailarbeit; da sitzt man auch als Hörer stets auf der Stuhlkante. Weniger ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Michael Struck-Schloen
Die Oper als «Kraftwerk der Gefühle», als welche Alexander Kluge sie so treffend bezeichnet hat, war immer schon ein Kampfplatz der Geschlechter. In den aktuellen Debatten über Feminismus, Geschlechtergerechtigkeit und Gender stellen sich viele Fragen zu den Themen des Genres Oper noch einmal ganz neu. Die Literaturwissenschaftlerin, Romanistin und...
L’italiana in Algeri» gehört neben «Il barbiere di Siviglia» und «La Cenerentola» zu den drei beliebtesten, meistgespielten Bühnenwerken Gioachino Rossinis. Mit diesem am 22 Mai 1813 in Venedig uraufgeführten dramma giocoso und dem wenige Wochen zuvor ebenfalls dort herausgekommenen melodramma «Tancredi» begann der Aufstieg des damals gerade 21-Jährigen zum...
Operneinakter gehen nicht, auch nicht im Doppelpack, heißt eine eiserne Theaterregel. Strauss’ «Salome» und «Elektra» gelten inzwischen als abendfüllend; eine Ausnahme wie das zwangsverheiratete Verismo-Paar «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» bestätigt nur die Regel. Frankfurts Intendant Bernd Loebe, kein Freund großer Worte, hat sich davon noch nie beirren...
