Sich lieben
So klingt die Sehnsucht, wenn sie utopisch ist: «Die blühenden Bäume verlieren die Blüten nicht mehr in dem ewigen Morgen ...» Hilde Domin schrieb diesen Vers im Exil der Dominikanischen Republik, ihrer «Inselkäfigexistenz». Zugleich sind es die letzten Worte jenes Zyklus aus sieben Liedern für Frauenstimme, den Stefan Heucke (unter dem Titel «Dennoch») auf Texte von Domin für Anne Schwanewilms komponierte.
Vor den Nazis über Italien und England nach Santo Domingo geflohen, sehnte sich die deutsch-jüdische Dichterin nach einem Daheim, das ihr Mann, der Archäologe Erwin Walter Palm, ihr nicht gab. Er selbst konnte der Enge durch berufliche Reisen entfliehen; seine Frau hingegen blieb oft auf der Insel gefangen. Die Ehe verfiel zunehmend durch Entfremdung und Hildes wachsende Einsamkeit; sie beschrieb dies einmal mit der Zeile «Jedes Achselzucken von Dir, jeder halbe Blick verdünnt mir das Herzblut». Anne Schwanewilms, begleitet vom Pianisten Manuel Lange und dem Rezitator Wolf-Dietrich Rammler, vermittelt diese Entfremdung wie auch die Empathie der Texte, den Appell an «Humanität bei Lebzeiten» facettenreich und mit Überzeugung.
Szenenwechsel: Als der junge Alban Berg die Sängerin ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 34
von Gerhard Persché
Dieses Bild ist nichts für zarte Gemüter. Ein unwirtlich-steriles Krankenhauszimmer in trübem Grauweiß, gerade mal zwei Meter hoch, vollgestellt mit Gerätschaften. Mittendrin ein schmales Bett, darin, mit dem Tropf verbunden, eine Schlafend-Träumende: Ophelia. Halb weilt sie, von Horatio, dem treuen Freund, behutsam bewacht, noch unter den Lebenden, halb liegt sie...
Die Begriffe «König» oder «Kaiser» lösen verschiedene Emotionen aus. Während die einen – durchaus mit Sympathie – beispielsweise an die britische Königsfamilie denken, verbinden vor allem die Menschen im (Nahen) Osten diese Worte mit Angst und Unterdrückung. Sie denken an skrupellose Machthaber, die ihr Volk tyrannisieren. Mozart sah in «seinem» Kaiser Titus (in...
Michael Spyres begeistert und verzückt die Opernwelt seit vielen Jahren. Seine Stimme schwingt sich scheinbar mühelos in höchste Höhen auf, Koloraturen sprudeln nur so aus ihm heraus, Langstreckenopern wie Meyerbeers «Les Huguenots» oder Rossinis «Guillaume Tell» in der Urfassung bewältigt er mit nie versiegender Energie. Das Repertoire des 1979 geborenen Sängers...
