Tod auf Kredit
Siebzig Minuten lang wird auf der Bühne geknüpft und geknotet. Meterlange Stoffbahnen fallen aus dem Schnürboden herab, von rasselnden Ketten gehalten. Die Darsteller weben und wickeln sie zu einem flammend roten Netzwerk, das die gesamte Bühne in schrägen, asymmetrischen Linien überzieht. Bei der szenischen Uraufführung der Vokalsymphonie «The Prison» von Ethel Smyth lassen Regisseurin Franziska Angerer und ihre Ausstatterin Valentina Pino Reyes die Kulisse vor den Augen des Publikums in einer Live-Installation entstehen.
Die Produktion eröffnet das Darmstädter Back-Stage-Festival, das den Zuschauerinnen und Zuschauern Theatererlebnisse aus ungewohnter Perspektive bieten will. Das Publikum ist auf der Hinterbühne platziert und blickt durch einen schwarzen Gazevorhang in umgekehrter Richtung auf Bühne und Orchester. Der eigentliche Zuschauersaal ist in weite Ferne gerückt. Zu Beginn steht man allerdings erst mal vor verschlossenen Türen. Der Raum ist zugesperrt, leise Irritation macht sich breit – als plötzlich im Foyer ein hymnischer Gesang anhebt. Vier weißgewandete Sängerinnen des Kinderchors tragen eine überlebensgroße Büste der Komponistin die Treppen hinab und stellen sie ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Silvia Adler
Schicksal? Zufall? Oder westeuropäische Arroganz? Merkwürdig ist die Causa allemal. Während er in seiner US-Heimat zu den großen Komponisten des 20. Jahrhunderts zählt, nahezu gleichberechtigt mit dem anderen «Außenseiter» Charles Ives und den Vertretern der Minimal Music (John Adams, Philip Glass, Steve Reich), ist Samuel Barber vielen Musikliebhabern diesseits...
Stille Nacht. Aber keine heilige. Eher eine traurige. Schon jene fünf Akkorde, mit denen Schuberts Lied «Der Doppelgänger» auf Verse von Heinrich Heine anhebt, verraten viel über die Stimmungslage des einsamen Wanderers, wie wir ihn (und sein meist leises Flehen) schon aus der «Winterreise» kennen. Die Liebste ist unerreichbar fern, das Leben ein einziger...
Das Werk ist unzeitgemäß […] Ich kann, was ich will, aber sie verstehen es nicht», erklärte Franz Schreker so schroff wie selbstbewusst, als seine Oper «Der singende Teufel» 1928 bei ihrer Uraufführung durchfiel. Die Kürzungen, die er vornahm, machten es nicht besser. Die einzige Wiederaufnahme nach 1945, John Dews Bielefelder Inszenierung 1989, strich das sperrige...
