Die zweite Haut
Frau Richter, wie spielt man Betrunkensein?
Kinder und Betrunkene können meistens nicht lügen. Also ist Klarheit und Authentizität hier im Schauspiel besonders wichtig. Ein Betrunkener versucht ja nichts so sehr zu verstecken wie seinen Rausch.
Sie waren mit 17 Jahren Jungstudentin, haben, seit Sie 19 waren, öffentlich gesungen. Kann man da überhaupt lernen, wie es ist, betrunken zu sein?
(lacht) Wenn man so betrunken ist, kann man eh keine Recherche mehr betreiben – und sich unter Umständen später daran auch nicht erinnern.
Ich glaube, dass es von mehr Erfolg gekrönt ist, Betrunkene zu beobachten, als es bei sich selbst auszuprobieren.
Hatten Sie das Gefühl, viel auslassen zu müssen?
Ich wehre mich gegen das konservative Bild der Diva, die am Ende ihres Lebens sagt: Ich habe alles der Kunst geopfert. Man kann, in der Oper wie beim Lied, nur berühren, wenn man lebt. Wenn Interpretation nicht mit Leben gefüllt ist, wird sie zu verkopft. Natürlich kann ich nicht vor einem großen Auftritt bis morgens um fünf tanzen gehen. Aber dieser Typ bin ich ohnehin nie gewesen. Ich fand diese Abfeierei immer eher anstrengend und habe mich lieber mit Freunden unterhalten.
«La Périchole» war Ihre ...
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Opernwelt Juli 2023
Rubrik: Interview, Seite 38
von Michael Stallknecht
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