Sex in Zeiten des Internet
Philippe Boesmans ist nicht der erste, aber der bislang erfolgreichste Komponist, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne brachte. Das «erektiefste» Stück , so das Bonmot des Schnitzler-Freundes Richard Beer-Hofmann, das bei seiner Uraufführung einen Theaterskandal auslöste, bietet mit seiner Variationsstruktur des Immergleichen – zehn Paare finden sich in zehn Szenen zur sexuellen Vereinigung zusammen – ideale Voraussetzungen für einen musikdramatischen Zugriff.
Schnitzlers kunstvoll die Umgangssprache stilisierenden Dialoge enthüllen mit gesellschaftskritischer wie psychologischer Tiefenschärfe die Fremdheit zwischen den Geschlechtern. Zum Sex kommt es immer, zur Begegnung nie. Das uneigentliche, mal hilflose, mal ironische Aneinander-Vorbeireden macht diesen Liebesreigen zeitlos, sodass er auch in unserer Welt der Dating Apps und des Cyber-Sex noch funktioniert.
Boesmans’ gefällig-virtuose Musik mit ihren unüberhörbaren Anklängen an Berg und das Fin de Siècle allerdings taucht Schnitzlers gnadenlose Abrechnung mit der bürgerlichen Doppelmoral in ein nostalgisches, ja oft geradezu verklärendes Licht. Nur selten findet sie freche Töne – dann aber gleich für Schwerhörige, ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Uwe Schweikert
Briefe sind nicht Jedermanns Sache», entschuldigt sich Gustav Mahler 1892 bei der Mezzosopranistin Laura Hilgermann, «– meine schon gar nicht! Lieber schreibe ich 10 Lieder als einen Brief.» Dennoch ist es dem unermüdlichen Mahler-Herausgeber Franz Willnauer ein weiteres Mal gelungen, bisher ungedruckte Briefe des Komponisten, Dirigenten und Operndirektors an...
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Die Zeiten, wo ein Vertrag bei einem großen Label die Weltkarriere verhieß, sind auch bei der Decca vorbei. Zuletzt sind CD-Versuchsballons mit Danielle de Niese oder Nicole Cabell rasch wieder gesunken. Nach ihrer erfolgreichen Debüt-CD «Voice of Hope» (vor zwei Jahren) gibt man Pumeza Matshikiza nun eine zweite, verdiente CD-Chance.
Bei der diesmal fast ganz...
