Sex and Crime

Einfache Linien, herber Spaltklang: Die Mailänder Scala macht sich für Umberto Giordanos «La cena delle beffe» stark

Opernwelt - Logo

Um 1910 begeisterten sich viele italienische Autoren fürs Dekadente. Der im Schatten D’Annunzios dichtende Sem Benelli machte mit dem 1909 uraufgeführten Stück «La cena delle beffe» Furore. Bühnenstars wie Edvige Reinach und Sarah Bernhardt fingen Feuer an dem grellen Versdrama über bestialischen Sozialdarwinismus: Im Florenz der Jahre um 1480 – eine Generation zuvor hatten sich die Medici an die Macht geputscht – herrscht Faustrecht pur. Die Brüder Chiaramantesi haben Giannetto mehr als nur eine «beffa», also einen «bösen Streich», gespielt.

Neri Chiaramantesi hat ihm die Geliebte Ginevra ausgespannt, ihn überdies verprügeln und in einem Sack in den Fluss werfen lassen. Die von Lorenzo de’ Medici als Versöhnungs-«Mahl» angeordnete «cena» bringt Giannetto auf einen grausamen Plan: Der gedemütigte Weichling liebt nur noch ein weibliches Wesen: «la vendetta», «die Rache».

Er verschafft sich Neris Kleidung, verbringt eine Liebesnacht mit Ginevra, lässt den Rivalen für verrückt erklären und macht ihn damit zum Objekt zwangspsychiatrischer Maßnahmen. Aber Neri kommt wieder frei. Natürlich will er Giannetto bei dessen nächstem Besuch in ­Ginevras Bett töten. Genau das hat dieser ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Anselm Gerhard

Weitere Beiträge
Geometrie der Liebe

Seit Uwe Eric Laufenberg am Staatstheater Wiesbaden den Ton angibt, ist Ingo Kerkhof dort ein begehrter Mann. In der aktuellen Saison stehen allein drei Musiktheaterproduktionen des Berliner Regisseurs auf dem Spielplan: Glucks «Orfeo et Euridice» (als Wiederaufnahme), das jüngste Bühnenstück von Helmuth Oehring (siehe oben) und Händels «Alcina». Wobei er der 1735...

Liebeskrieg in Wellblechhalle

Mit seinen 27 überlieferten Partituren ist der Venezianer Francesco Caval­li der Operngroßmeister zwischen Monteverdi und Alessandro Scarlatti. Richtig heimisch geworden auf der modernen Bühne ist er seit seiner Wiederentdeckung in den 1960er-Jahren dennoch nicht. Dabei erweist jede Begegnung mit einer seiner Opern, dass sie hinter dem «Ulisse» und der «Poppea»...

Sag mir, wo du stehst

Dass man diesen ungekürzt gegebenen, fast vier Stunden dauernden »Mathis« sofort noch einmal hören möchte – das ist zunächst einmal Markus Marquardt zu danken, der bereits dem mordenden Goldschmied Cardillac (2009 unter Fabio Luisi, in einer Inszenierung von Philipp Himmelmann) am Uraufführungsort prägnant Stimme und Gestalt verliehen hatte, und nun Mathis, diesen...