Heiter, leicht, geradeheraus
Die Trümmer der nächtlichen Prügelei liegen noch auf der Festwiese herum und müssen von den arg blessierten Meistern erst diskret beiseitegeräumt werden, bevor der Sängerwettstreit beginnen kann. Alle sind damit beschäftigt, die Verbände, die Pflaster und blaue Flecken zu verbergen – bis sie merken, dass die Kollegen so ramponiert sind wie sie selbst. Und wieder lacht das Publikum in der Oper Chemnitz, über den (nicht immer subtilen) Humor Richard Wagners und des Regisseurs Michael Heinicke.
Überhaupt herrscht viel Heiterkeit im Saal über diese vorbildlich textverständliche Aufführung Mitte April.
Heinicke verlegt das Stück über (deutsche) Leitkultur und künstlerische Innovation in ein Museum des 19. Jahrhunderts. Wagner und seine Zeitgenossen träumen sich in ein Fantasie-Mittelalter zurück, in dem es nicht besonders idyllisch zugeht. In der Rotunde des Bühnenbildners Peter Sykora werden die Figuren der alten Geschichte nachts lebendig, spielen das Geschehen nach. Dabei fokussiert die Regie weniger auf die gesellschaftlichen Spannungen zwischen Adel und Bürgertum als auf die Dialektik von Anziehung und Abstoßung zwischen dem alternden Hans Sachs und der jungen Eva Pogner. Und ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Uwe Friedrich
Sein oder nicht sein? Das ist an GöteborgsOperan nicht die Frage. Stephen Langridge, seit zwei Jahren künstlerischer Kopf des Musiktheaters, lässt für die schwedische Erstaufführung von Ambroise Thomas’ «Hamlet» verschiedene Varianten des Endes spielen. Als Thomas seine Antwort auf Gounods «Roméo et Juliette» 1868 an der Pariser Opéra herausbrachte, ging der...
So einem Siegfried begegnet man selten. Einem, der nicht nur über den ganzen Abend stark vor-, sondern kurz vor Schluss auch noch eine Spitzenleistung hinlegt. Atemlos lauscht man da, wie Thomas Mohr seinem Rollendebüt die Krone aufsetzt. Wie er als Wagners verstrickter Erlösungsrecke am von Hagen gereichten Gegengift zum Vergessenstrank nippt und sich plötzlich...
Zu den Schlüsselwerken von Hans Werner Henzes neuem Vokalstil nach seiner Übersiedlung nach Italien Mitte der 1950er-Jahre gehört die 1958 entstandene «Kammermusik» über Hölderlins Hymne «In lieblicher Bläue» für Tenor, Gitarre, Klarinette, Fagott, Horn und fünf Streicher. Der Komponist beschwört in diesem dreiviertelstündigen Werk, dem er später noch einen...
