Seltsam unpersönlich
Warum William Shakespeares «Wintermärchen» als Problemstück gilt, liegt auf der Hand: Es enthält Stoff für mindestens zwei Dramen. Das Erste geht so: Leontes, König von Sizilien, wirft in einem Anfall unbegründeter Eifersucht seine hochschwangere Frau Hermione ins Gefängnis, ihr Neugeborenes lässt er beiseiteschaffen. Zu spät bestätigt das Orakel von Delphi die Unschuld der Gattin, der Familienstress hat den Sohn und Erben Mamilius bereits dahingerafft, auch die Königin bricht zusammen.
Folgt ein Zeitsprung von 16 Jahren, danach das zweite Stück: Perdita («die Verlorene»), als Findelkind bei einem Hirten in Böhmen aufgewachsen, verliebt sich in einen schmucken Königssohn. Die unstandesgemäße Verbindung bringt dessen Vater in Rage, das Paar flieht nach Sizilien. Der König des fernen Reiches erkennt in dem Mädchen seine Tochter wieder – sie hat also doch blaues Blut! Aber es kommt noch besser: Perditas Prinz ist der Sohn des Mannes, dem der König einst eine Affäre mit seiner Frau unterstellte. Leontes erkennt sein Töchterchen, eine Statue seiner Frau erwacht zum Leben, alle sind glücklich vereint.
An dieser Romanze ist schon mancher Regisseur gescheitert. Was tun mit der ...
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Opernwelt April 2017
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Wiebke Roloff
Errare humanum est. Menschen irren, und das ist auch gut so. Ohne Irrtümer gibt es keine Erkenntnis, ohne Fehler wird man selten klug. Die Kritik bildet da keine Ausnahme. Wer urteilt, kann falschliegen. Wer wertet, kann danebenzielen. Kritiker, zumal solche, die sich mit Musik beschäftigen, der flüchtigsten aller Künste, bewegen sich auf instabilem Terrain....
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