Seltene Nähe
Masken, überall Masken. Die netten Platzanweiser tragen sie, während sie die gerade einmal 50 Zuschauer in das Münchner Nationaltheater geleiten. Auch das Publikum muss den Mund-Nase-Schutz aufbehalten. Und dann beginnt die Vorstellung damit, dass Holger Falk als verrückter englischer König von stummen Ärzten in Kitteln hereingeführt wird, die in gleicher Weise vermummt sind.
In Corona-Zeiten gehen Realität und theatrales Geschehen zusammen: Selten hat man sich als Opernbesucher so distanzlos als Teil einer Regiearbeit fühlen können wie in Andreas Weirichs szenischer Einrichtung der «Eight Songs for a Mad King» von Peter Maxwell Davies.
Zumal das spärliche Publikum auf der Bühne des Nationaltheaters postiert ist, auf festgeschraubten Stühlen im vorgeschriebenen Sicherheitsabstand, mit Blick auf den melancholisch leeren Zuschauerraum. Geschickt nutzt Weirich diesen ungewohnten Spielort aus. Am Anfang muss sich Falk in der Rolle des historischen Königs George III. erst von den weißen Bandagen befreien, die sein gesamtes Gesicht bedecken. Im Verlauf des halbstündigen Lied-Monodrams von 1969 umkreist er singend, verzweifelt lachend, im Strohbassregister knarzend, wie desorientiert das ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Neustart, Seite 19
von Michael Bastian Weiß
Das Stück passt in die Zeit. Ein Gespinst aus porzellanen Klängen, dass in hauchdünnen, zärtlich-zartbitteren Tönen die tiefste Krise menschlicher Existenz beschreibt – eine Liebe, die in den Tod führt. Doch reicht sie eben auch über ihn hinaus, diese Liebe: als Utopie. Frank Martins «Le vin herbé», 1942 konzertant uraufgeführt, sechs Jahre später bei den...
Er war weder Impressionist noch Faschist. Aber das half ihm wenig. Beide Vorurteile sind journalistisch längst in Stein gemeißelt, selbst in Italien, dessen größter Komponist er im 20. Jahrhundert gewesen ist. Kein Landsmann schuf vor oder nach Respighi auch nur ansatzweise vergleichbare Instrumentalmusik, was fatalerweise den Blick auf sein Lebenswerk total...
Eigentlich ist, spätestens mit diesem Jahr, dem 250. Geburtstag des Genies, alles gesagt, gedacht, geschrieben, geklärt. Die Causa Beethoven im Grunde abgeschlossen. Mehrere Regalkilometer füllt die Literatur über den Prometheus der Tonkunst, dessen einziges Manko es war, dass er keine gescheite Oper zu komponieren vermochte, weil seine eigene Musik zu absolut und...
