Riechsalz und Flamingofedern
Als Julius Cyriax 1855 eine Aufführung von Wagners «Tannhäuser» sah, war’s um ihn geschehen: Mit Inbrunst verehrte der gerade 15-jährige Kaufmannssohn aus Gotha den Meister. Und dabei blieb es, sein Leben lang. Zu gern wäre er selbst Musiker geworden! Doch sein Vater wollte den Jungen in den eigenen Fußstapfen sehen. Also lernte der das Geschäft, ging 1858 erst nach Le Havre, dann nach London, wo er es schließlich als Partner in der Pharma-Firma Burgoyne, Burbidges, Cyriax & Farries zu beachtlichem Wohlstand brachte.
Cyriax mag «mit ganzer Seele Kaufmann» gewesen sein, sein Herz gehörte weiter der Musik. Man sah den begabten Amateur schon mal als «Herr von Sirax» in Music Halls in die Tasten hauen. Auch komponierte er gelegentlich, symphonische Walzer wie «Gruß aus England» zum Beispiel oder die Oper «Reiseabenteuer». Und wann immer in London Wagner gegeben wurde, waren er und seine Frau Anna garantiert dabei.
Von Angesicht zu Angesicht begegnete der Fan seinem Idol 1876 zum ersten Mal. Er sah ihn auf dem Bayreuther Bahnsteig stehen und stellte «peinlich berührt» fest, dass der «Jupiter tonans» Sächsisch sprach «wie ich armer Wurm selbst». Während der «Walküre» versuchte er sich ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Bayreuth, Seite 10
von Wiebke Roloff Halsey
Sehr knapp war das. Während sämtliche Juni- und August-Konzerte der Schubertiade dasselbe Schicksal ereilte wie gefühlt 99 Prozent aller Konzerte, sollte an drei Juli-Tagen im Markus-Sittikus-Saal zu Hohenems wenigstens der Nachwuchs zum Zuge kommen. «Neue Stimmen», das mag ein Nebenprogramm vor weniger Zuhörern sein, aber immerhin: Schauplatz ist das Lied-Mekka...
Sein letztes Opus beschäftigt sie seit Langem. Immer wieder hat Barbara Hannigan die «Quatre chants pour franchir le seuil» gesungen. Sich in jene vier Meditationen über die Schwelle zum Tod vertieft, die Gérard Grisey 1998 abschloss, kurz bevor eine Hirnblutung den 52-Jährigen aus dem Leben riss. Mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle führte die...
Ein bisschen kräftiger dürfte das espressivo schon sein. «Fülle, Fülle», ruft Marek Janowski den Streichern zu, als es zu Beginn des zweiten Akts in den Kerker geht. Und pochen soll der Rhythmus nach Florestans Verzweiflungsschrei: «Gott, welch Dunkel hier!» Mehr «Substanz» fordert der 81-jährige Maestro später von den ersten Geigen und den Bratschen. Als wolle er...
