Riechsalz und Flamingofedern
Als Julius Cyriax 1855 eine Aufführung von Wagners «Tannhäuser» sah, war’s um ihn geschehen: Mit Inbrunst verehrte der gerade 15-jährige Kaufmannssohn aus Gotha den Meister. Und dabei blieb es, sein Leben lang. Zu gern wäre er selbst Musiker geworden! Doch sein Vater wollte den Jungen in den eigenen Fußstapfen sehen. Also lernte der das Geschäft, ging 1858 erst nach Le Havre, dann nach London, wo er es schließlich als Partner in der Pharma-Firma Burgoyne, Burbidges, Cyriax & Farries zu beachtlichem Wohlstand brachte.
Cyriax mag «mit ganzer Seele Kaufmann» gewesen sein, sein Herz gehörte weiter der Musik. Man sah den begabten Amateur schon mal als «Herr von Sirax» in Music Halls in die Tasten hauen. Auch komponierte er gelegentlich, symphonische Walzer wie «Gruß aus England» zum Beispiel oder die Oper «Reiseabenteuer». Und wann immer in London Wagner gegeben wurde, waren er und seine Frau Anna garantiert dabei.
Von Angesicht zu Angesicht begegnete der Fan seinem Idol 1876 zum ersten Mal. Er sah ihn auf dem Bayreuther Bahnsteig stehen und stellte «peinlich berührt» fest, dass der «Jupiter tonans» Sächsisch sprach «wie ich armer Wurm selbst». Während der «Walküre» versuchte er sich ...
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Opernwelt August 2020
Rubrik: Focus Spezial Bayreuth, Seite 10
von Wiebke Roloff Halsey
«Vorne auf den Sesseln die Kritiker, entstellt von Eitelkeit», notierte Gottfried Benn 1928 in «Saison», und Joachim Kaiser zitiert ihn fast verschämt zu Beginn seines «Kleinen Theatertagebuchs» (1965), um danach eine subtile Analyse eben jener Gefallsucht folgen zu lassen. Kritiker seien eitel, weil ihr Tun sie dazu bringe und zwinge, «wohlerworbenen...
arte
02.08. – 16:00 Uhr
Das große Welttheater – Salzburg und seine Festspiele
Im 100. Jahr des Festivals gewährt der szenische Dokumentarfilm von Beate Thalberg einen Blick auf die Dramen und unbekannten Ereignisse, die sich hinter der Bühne abspielten. Von ihrer Gründung 1920 über den künstlerischen Widerstand nach Hitlers Machtergreifung und den Neustart 1945 bis...
Verdis neunter, 1846 in Venedig uraufgeführter Oper «Attila» begegnet man selten auf der Bühne. Peter Konwitschny hat sie 2013 in Wien als schrilles Kasperletheater, Dietrich Hilsdorf 2017 in Bonn als blutrünstige Groteske bebildert. Beides trifft das kolossal dimensionierte Schauerdrama um die Ermordung Attilas, das Verdi hier im Stil eines...
