Selbst die Hölle ist hier ein Himmel

Eine Produktion zum Niederknien: Die Opéra national du Rhin in Strasbourg brilliert mit Händels «Ariodante». Jetske Mijnssens Regie huldigt der Musik, die dank Christopher Moulds und durchweg exzellenten Sängern fesselnd dargeboten wird

Opernwelt - Logo

Am Ende rennt sie ihm davon. Frisch getraut, reißt sie sich den Schleier vom Kopf, knallt ihm den Brautstrauß vor die Füße - nichts wie weg! Das ist bei Händel natürlich nicht so vorgesehen, aber aus heutiger Sicht, zumal aus weiblicher Regieperspektive, darf sich eine junge Frau nicht mehr als Dummchen verkaufen lassen – nach all dem, was ihr widerfahren ist. Schon im zweiten Akt ist für Ginevra nichts mehr so, wie es im ersten noch gewesen war.

Und so heiter, in ungebrochener Festtagsstimmung für die bevorstehende Hochzeit, kann es im letzten Akt, nach der zerstörerischen Intrige, auch nicht mehr weitergehen: Der gutgläubige Bräutigam Ariodante hatte sich von seinem Konkurrenten Polinesso täuschen lassen. Mit Hilfe von Ginevras Schwester Dalinda (im Original ist sie ihre Dienerin) spielt er Ariodante die Untreue seiner Braut vor. Daraufhin will sich dieser das Leben nehmen. Ginevras Schwager in spe, Lurcanio, und ihr Vater, der ihr das vermeintliche Ableben Ariodantes mitgeteilt hatte, drängen aus Rache und wegen ihres «schamlosen» Verhaltens auf die Todesstrafe. Schließlich geht es um die Ehre des schottischen Königshauses. Und sie, die Prinzessin, die überhaupt nicht mehr weiß, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Lotte Thaler

Weitere Beiträge
Alleluja!

Wie der Tag des Jüngsten Gerichts klingen könnte? Er könnte so klingen wie in der Motette «In furore iustissimae irae» von Antonio Vivaldi: herb, heftig, markerschütternd. Gleich die erste Arie lässt – aus gegebenem Anlass für Altstimme transponiert – keinen Zweifel daran: Gott zürnt dem Menschen, weil dieser ein Sünder ist, der sich einfach nicht bessern will. Und...

Etwas hohl

Natürlich handelt Ingmar Bergmans großer letzter Film auch vom Theater; um das eigene Theater kreist die großbürgerliche Familie der Ekdahls, bei den Proben zu «Hamlet» trifft den schnell zu Tränen gerührten Oscar, Vater von Fanny und Alexander, der Schlag, und am Ende planen sie eine Neuinszenierung von Strindbergs «Traumspiel». Das Kunstwerk «Fanny och Alexander»...

Helau!

Selbst der liberalste Kosmopolit bezweifelt gelegentlich, dass die Kunstwerke sämtlicher Völker tatsächlich von Angehörigen sämtlicher Völker verstanden werden. Beziehungsweise angemessen interpretiert werden können. Schrieb Bruckner etwa für Burmesen? Liegen die Waiata-Gesänge der Maori auch den Gächinger Kantoristen gut in der Kehle? Und sollte man Sauerländern...