Für Kleine gemacht, aber groß gedacht

So entschieden wie an der Komischen Oper Berlin wird wohl nirgends Kinderoper gemacht. In dieser Saison mit einer mitreißenden «Kleinen Hexe»

Opernwelt - Logo

Kinderoper, so kann man wohl sagen, ist die härteste Disziplin im Opernhandwerk. Alles, was eigentlich auch der erwachsene Zuschauer will: Verständlichkeit, Überraschung, Humor, Poesie – hier muss es unbedingt geliefert werden, sonst verliert man einen ganzen Saal. Dann wird mit Programmheften geraschelt, gequängelt, gequatscht und gestöhnt. An der Komischen Oper Berlin weiß man Bescheid um die Herausforderung, nimmt sie an und wirft in die Kinderoper einfach alles hinein, was das Haus zu bieten hat.

Seit vielen Jahren schon wird pro Saison ein Kompositionsauftrag vergeben – Kinderoper-Premieren sind hier immer auch Uraufführungen –, Ensemblemitglieder der ersten Reihe treten auf, am Bühnenbild wird nicht gespart und überhaupt: Gespielt wird stets im Großen Haus und nicht etwa auf irgendeinem Nebenschauplatz, derzeit und wohl auch in weiterer Zukunft in der Ausweichspielstätte im Schiller Theater. Zwei Jahre soll an der Sanierung des Stammhauses in der Behrenstraße nicht weiter gearbeitet werden, weil die Stadt Kosten sparen muss. In einer besseren Welt hätte es vielleicht geheißen: Die Komische Oper wird bei den Sparmaßnahmen entlastet, weil sie sich so engagiert um den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Clemens Haustein

Weitere Beiträge
Wiegenlieder des Todes

Wer mit so populären Werken wie Faurés Requiem und dem noch bekannteren Mozarts gegen die diskographische Konkurrenz anzutreten wagt, muss Neues zu sagen haben. Für Raphaël Pichon wie für Thibaut Lenaerts trifft dies zu, kommen sie doch beide aus der historisch informierten Aufführungspraxis. Pichons Blick auf Mozarts Schwanengesang ist entscheidend geprägt durch...

Helau!

Selbst der liberalste Kosmopolit bezweifelt gelegentlich, dass die Kunstwerke sämtlicher Völker tatsächlich von Angehörigen sämtlicher Völker verstanden werden. Beziehungsweise angemessen interpretiert werden können. Schrieb Bruckner etwa für Burmesen? Liegen die Waiata-Gesänge der Maori auch den Gächinger Kantoristen gut in der Kehle? Und sollte man Sauerländern...

Dänemark ist nah

Etwa so groß wie eine Schulaula ist der runde Theatersaal, wo an einem herbstlichen Nachmittag die Wiederaufnahme von Engelbert Humperdincks «Hänsel und Gretel» Premiere hat. Die Reihen sind an diesem Sonntag Nachmittag fast voll besetzt, und die Bestuhlung ist so eng, dass man höllisch aufpassen muss, dem Sitznachbarn nicht in die Rippen zu boxen oder dem...