Für Kleine gemacht, aber groß gedacht

So entschieden wie an der Komischen Oper Berlin wird wohl nirgends Kinderoper gemacht. In dieser Saison mit einer mitreißenden «Kleinen Hexe»

Opernwelt - Logo

Kinderoper, so kann man wohl sagen, ist die härteste Disziplin im Opernhandwerk. Alles, was eigentlich auch der erwachsene Zuschauer will: Verständlichkeit, Überraschung, Humor, Poesie – hier muss es unbedingt geliefert werden, sonst verliert man einen ganzen Saal. Dann wird mit Programmheften geraschelt, gequängelt, gequatscht und gestöhnt. An der Komischen Oper Berlin weiß man Bescheid um die Herausforderung, nimmt sie an und wirft in die Kinderoper einfach alles hinein, was das Haus zu bieten hat.

Seit vielen Jahren schon wird pro Saison ein Kompositionsauftrag vergeben – Kinderoper-Premieren sind hier immer auch Uraufführungen –, Ensemblemitglieder der ersten Reihe treten auf, am Bühnenbild wird nicht gespart und überhaupt: Gespielt wird stets im Großen Haus und nicht etwa auf irgendeinem Nebenschauplatz, derzeit und wohl auch in weiterer Zukunft in der Ausweichspielstätte im Schiller Theater. Zwei Jahre soll an der Sanierung des Stammhauses in der Behrenstraße nicht weiter gearbeitet werden, weil die Stadt Kosten sparen muss. In einer besseren Welt hätte es vielleicht geheißen: Die Komische Oper wird bei den Sparmaßnahmen entlastet, weil sie sich so engagiert um den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Clemens Haustein

Weitere Beiträge
Editorial Opernwelt 1/25

Ein Gespenst geht um in deutschen Landen. Keine Angst, es ist nicht der Kapitalismus, der hat seine Maske längst abgestreift und herrscht unumschränkt. Nein, es ist ein anderes Ungeheuer, das vielen Kulturschaffenden die blanke Angst in die Mienen malt, es trägt den Namen Sanierung. Zahlreiche Opernhäuser müssen dringend ausgebessert, wenn nicht gar neu gebaut...

Zwischen Illusion und Wirklichkeit

Der jährliche Besuch des Festivals im südostirischen Wexford gleicht mitunter dem Griff in die Wundertüte, bei dem man mal einen guten Fang macht, mal nicht und gelegentlich das große Los zieht, wie 2014 mit Jacopo Furonis «Christina, regina di Svezia» geschah. Von Anfang an beschloss der kleine Gründerkreis passionierter Opernliebhaber, der das Festspiel 1951 aus...

Schachmatt

Einen Moment gibt es an diesem merkwürdig übersteuerten Abend, da kehrt das Stück plötzlich zu sich selbst zurück: Akt vier, erste Szene. Soeben und parallel zum «Patria opressa!»-Chor, haben die Schergen des Königs die drei Kinder von Macduff hinterrücks erschossen und seiner Ehefrau brutal die Kehle durchgeschnitten, da tritt der darob in seiner Existenz...