Seismograph des Unbewussten
Und als ich wiederkam, da – kam ich nicht wieder.» Dies Bekenntnis des Romanciers Alfred Döblin aus dem Jahr 1946 fasst das Schicksal der von den Nazis 1933 ins Exil vertriebenen oder in die innere Emigration gezwungenen Juden und ihrer verfemten Werke in einem einzigen Satz zusammen. Er gilt auch für den bereits 1934 an gebrochenem Herzen gestorbenen Komponisten Franz Schreker. Sein Hauptstück, die 1912 uraufgeführte Oper «Der ferne Klang», wird alle Jahre wieder mal entdeckt, ohne aber wirklich Bestandteil des Repertoires zu bleiben.
Schrekers Fall war tiefer als der von Zemlinksy, Korngold oder Braunfels, um nur drei Namen mit gänzlich gegensätzlichen Lebensschicksalen zu nennen. 1920 galt er als der «zukunftsvolle Erneuerer» (Paul Bekker) des nachwagnerischen Musiktheaters und stand als meistgespielter Opernkomponist neben Richard Strauss im Zenit seines Ruhms. Doch die kulturpolitische Stimmung schlug schnell um. Schrekers späteren Opern waren trotz stilistischer Anpassung an den neusachlichen Geschmack der Zeit herbe Misserfolge, die älteren wurden kaum mehr gegeben und die für 1933 geplante Uraufführung des «Christopherus» nach der Machtergreifung Hitlers abgesetzt. Die ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Sie habe immer geschrieben, um der Hölle zu entkommen, aber vergeblich: Das notierte die britische Dramatikerin Sarah Kane, wenige Monate bevor sie sich mit nur 27 Jahren das Leben nahm. In ihrem 1999 vollendeten Theaterstück «4.48 Psychose» schildert sie den Seelenkampf einer psychisch erkrankten Frau am Abgrund einer schweren Depression. Philip Ve -nables hat...
György Kurtág, der Grand Old Man der Moderne, der im kommenden Februar seinen 100. Geburtstag feiern wird, hat in seinen Vokalwerken stets zu Texten gegriffen, die sich eigentlich jeder Musik entziehen – Becketts Schauspiel «Fin de partie», Fragmente aus Kafkas Prosa, Lyrik des späten Hölderlin oder Aphorismen aus Lichtenbergs «Sudelbüchern». Umso irritierender, so...
Der Dichter schwärmt. Ist aber auch eine eher leichte Übung angesichts des besungenen Gegenstandes. «An die Musik» richtet sich das romantisch durchglühte Gedicht des Schubert-Freundes Franz Schober, welches der Genius späterhin in ein schmuckes D-Dur-Gewand steckte: «Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden / wo mich des Lebens wilder Kreis umstrickt, / hast Du...
