Seismograph des Unbewussten

Andreas Hotz feiert mit Schrekers Bekenntniswerk «Der ferne Klang» seinen Abschied als GMD des Theaters Osnabrück

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Und als ich wiederkam, da – kam ich nicht wieder.» Dies Bekenntnis des Romanciers Alfred Döblin aus dem Jahr 1946 fasst das Schicksal der von den Nazis 1933 ins Exil vertriebenen oder in die innere Emigration gezwungenen Juden und ihrer verfemten Werke in einem einzigen Satz zusammen. Er gilt auch für den bereits 1934 an gebrochenem Herzen gestorbenen Komponisten Franz Schreker. Sein Hauptstück, die 1912 uraufgeführte Oper «Der ferne Klang», wird alle Jahre wieder mal entdeckt, ohne aber wirklich Bestandteil des Repertoires zu bleiben.

Schrekers Fall war tiefer als der von Zemlinksy, Korngold oder Braunfels, um nur drei Namen mit gänzlich gegensätzlichen Lebensschicksalen zu nennen. 1920 galt er als der «zukunftsvolle Erneuerer» (Paul Bekker) des nachwagnerischen Musiktheaters und stand als meistgespielter Opernkomponist neben Richard Strauss im Zenit seines Ruhms. Doch die kulturpolitische Stimmung schlug schnell um. Schrekers späteren Opern waren trotz stilistischer Anpassung an den neusachlichen Geschmack der Zeit herbe Misserfolge, die älteren wurden kaum mehr gegeben und die für 1933 geplante Uraufführung des «Christopherus» nach der Machtergreifung Hitlers abgesetzt. Die ...

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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert

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