Gegensätze ziehen sich an
Im Ranking der meistgespielten Opern lebender Komponisten rangierte Kurt Weills Einakter «Der Zar lässt sich fotografieren» von der Uraufführung 1928 bis zu dessen Verbot 1933 auf dem zweiten Platz, gleich nach Strauss’ «Rosenkavalier». Seinen Erfolg verdankte Weills «Zeitoper» insbesondere ihrem gewitzten Aktualitätsbezug. In der Partitur pulsieren nicht nur Jazz und Tanzmusik, man hört zudem Geräusche weiland moderner technischer Errungenschaften wie Telefon, Türklingel oder Grammophon.
In einem Doppelabend wurde die Opera buffa nun zusammen mit Weills «Sieben Todsünden», einem Ballett mit Gesang auf einen Brecht-Text, in Kaiserslautern auf die Bühne gebracht. Satirischer Kriminalschwank hier, kapitalismuskritische Untergangsvision dort – inhaltlich wie stilistisch liegen die Werke meilenweit auseinander. Doch der Regisseurin Martina Veh gelingt es, sie in einem gemeinsamen Bühnenbild zu verzahnen. Im «Zar» fungiert ein gigantischer Thron (Bühne: Thomas Dörfler) als zweigeschossiges Wohnhaus. Hier empfängt die Pariser Fotografin Angèle den Herrscher eines imaginären Zarenreiches zum Fotoshooting. Was der nicht weiß: Verschwörer haben das Atelier gekapert, die echte Angèle (mit ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Silvia Adler
Sie habe immer geschrieben, um der Hölle zu entkommen, aber vergeblich: Das notierte die britische Dramatikerin Sarah Kane, wenige Monate bevor sie sich mit nur 27 Jahren das Leben nahm. In ihrem 1999 vollendeten Theaterstück «4.48 Psychose» schildert sie den Seelenkampf einer psychisch erkrankten Frau am Abgrund einer schweren Depression. Philip Ve -nables hat...
Frau Akhmetshina, in drei Stunden singen Sie die Adalgisa. Trotzdem haben Sie sich bereit erklärt, dieses Gespräch zu führen. Sind Sie besonders cool?
Nein, nur ziemlich müde. Ich habe vergangene Nacht zwei Stunden geschlafen und bin gerade erst von Brüssel nach Wien geflogen. Da ich aber ohnehin für den Abend wach werden muss, kommt mir das hier gerade recht. Und...
Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort...
