Gegensätze ziehen sich an
Im Ranking der meistgespielten Opern lebender Komponisten rangierte Kurt Weills Einakter «Der Zar lässt sich fotografieren» von der Uraufführung 1928 bis zu dessen Verbot 1933 auf dem zweiten Platz, gleich nach Strauss’ «Rosenkavalier». Seinen Erfolg verdankte Weills «Zeitoper» insbesondere ihrem gewitzten Aktualitätsbezug. In der Partitur pulsieren nicht nur Jazz und Tanzmusik, man hört zudem Geräusche weiland moderner technischer Errungenschaften wie Telefon, Türklingel oder Grammophon.
In einem Doppelabend wurde die Opera buffa nun zusammen mit Weills «Sieben Todsünden», einem Ballett mit Gesang auf einen Brecht-Text, in Kaiserslautern auf die Bühne gebracht. Satirischer Kriminalschwank hier, kapitalismuskritische Untergangsvision dort – inhaltlich wie stilistisch liegen die Werke meilenweit auseinander. Doch der Regisseurin Martina Veh gelingt es, sie in einem gemeinsamen Bühnenbild zu verzahnen. Im «Zar» fungiert ein gigantischer Thron (Bühne: Thomas Dörfler) als zweigeschossiges Wohnhaus. Hier empfängt die Pariser Fotografin Angèle den Herrscher eines imaginären Zarenreiches zum Fotoshooting. Was der nicht weiß: Verschwörer haben das Atelier gekapert, die echte Angèle (mit ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 65
von Silvia Adler
Die Machos können beruhigt sein. Männer am Herd, Frauen an der Macht, dies sogar mit einer Generalin an der Spitze, so etwas bleibt beschränkt auf eine Enklave im Ozean. Zumindest in jener «verdrehten Welt», die Antonio Salieri auf ein Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà imaginierte. «Il mondo alla rove -scia» heißt der Zweieinhalbstünder im Original und...
Nach ihrer CD mit Liedern von Louis Beydts (siehe OPERN-WELT 6/2024) sind der Tenor Cyrille Dubois und sein Klavierpartner Tristan Raës erneut im «Jardin de la mé-lodie», im französischen Liedgarten, wie die beiden im Booklet schreiben, fündig geworden: mit sämtlichen 31 Mélodies des am Vorabend des Ersten Weltkrieg an Tuberkulose verstorbenen Gabriel Dupont...
Mitunter sind es nur feinste Nuancen, in denen sich größere Unterscheidungen ablesen lassen. Während es in Schuberts «Ständchen» nach Rellstab heißt: «Leise flehen meine Lieder / Durch die Nacht zu Dir», schließt das vierte Stück aus den «Fünf Liedern» op. 106 von Brahms mit den Worten «Dunkel klingen meine Lieder». Es ist nur ein Wimpernschlag, der beides, dort...
