Seiner Zeit immer ein wenig voraus
Als Graham Vick zum Ritter geschlagen wurde, fortan also «Sir» Graham hieß, war dies die Anerkennung einer außergewöhnlichen und staunenswerten Reise durch die Welt der Oper.
Unternommen hat sie ein Mensch, der die Kunst liebte und leidenschaftlich an ihre ständige Wiedererfindung glaubte; ein Regisseur, der in erster Linie Musiker war, sodass jede Entscheidung, die er traf, zum Wohl und aus dem Geiste der Musik getroffen wurde; ein über die Maßen empathiefähiger Mann, der das Beste sowohl aus Stars als auch aus Newcomern herauszuholen vermochte, jeden Akteur, und sei es der Chorist in der letzten Reihe, im persönlichen Gespräch zu motivieren wusste und somit stets das Optimum an künstlerischen Möglichkeiten erreichte. Auch sämtliche Orchestermusiker kommunizierten kontinuierlich mit Graham.
Partituren kannte Graham auswendig. Er forderte Solisten, Orchestermusiker und Dirigenten auf, tief in die Musik der jeweiligen Opern einzutauchen – was Phrasierung, Spieltechnik und Stimmfarbe betraf. Ich hatte das große Glück, etwa 20 Bühnenwerke mit ihm zu erarbeiten, und kaum ein Tag verging, an dem ich nicht irgendetwas von ihm lernte. Sein Arbeitsethos war unglaublich. Drei Proben pro ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Abschied, Seite 87
von Simon Halsey
Herr Karaman, der Schriftsteller und Dramatiker Peter Hacks schreibt in seinem wunderbaren Buch «Marxistische Hinsichten», Kunst sei nicht für die Utopien zuständig, sondern für die realistische Darstellung der Welt; man müsse zeigen, was ist. Ist das eine Idee, mit der Sie etwas anfangen können?
Unbedingt! Das ist mir sogar sehr nahe. Denn die Arbeit am Theater...
62. Jahrgang, Nr 9/10
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752348
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Wirklich furchterregend ist das Biest, das da, aus der Bühnentiefe des Festspielhauses geschlüpft, über einen hinwegbraust, auf mächtigen Schwingen, mit grünem Schuppenkleid und einem Maul voll gezackter Zähne, aus dem Feuerstrahlen schießen. Wie sich halt Richard Wagner seinen Drachen dachte, der schon zur Uraufführung des «Siegfried» nur unvollständig realisiert...
