Charakterbilder

Luigi Cherubinis «Faniska» und Giovanni Simone Mayrs «Elena»

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Bösewichte, die den Dolch gegen die verfolgte Unschuld schon gezückt haben, sind in der Oper nur durch die im letzten Augenblick anrückende Kavallerie zu beseitigen. Schwankenden Charakteren dagegen kann die Selbstüberwindung gelingen: Kraft der im höchsten Krisenmoment endlich gewonnenen moralischen Größe lösen sich die beinahe tödlichen Verwicklungen.

Cherubinis 1805/06 für und in Wien komponierte Opéra comique «Faniska» gehört zum ersten Typus, Mayrs Semiseria «Elena», die er acht Jahre später (in engster zeitlicher Nachbarschaft zu seinem Meisterwerk «Medea in Corinto») für das neapolitanische Teatro dei Fiorentini schrieb, zum zweiten. Beide Werke basieren, wie könnte es bei solchen pièces de sauvetage anders sein, auf französischen Vorlagen. Für Mayr hatte der versierte Andrea Leone Tottola das von Jean-Nicolas Bouilly für Méhuls «Héléna» geschriebene Libretto benutzt und mit neapolitanischem Lokalkolorit versehen, für Cherubini hatte Joseph Sonnleithner das «Mélodrame à grand spectacle» von René Charles Guilbert de Pixérécourt «Les Mines de Pologne» verwendet – ein finsteres Souterrain-Stück, das sich in Wien großer Beliebtheit erfreute.

Und da beginnen die Probleme. ...

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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 56
von Klaus Heinrich Kohrs

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