Charakterbilder
Bösewichte, die den Dolch gegen die verfolgte Unschuld schon gezückt haben, sind in der Oper nur durch die im letzten Augenblick anrückende Kavallerie zu beseitigen. Schwankenden Charakteren dagegen kann die Selbstüberwindung gelingen: Kraft der im höchsten Krisenmoment endlich gewonnenen moralischen Größe lösen sich die beinahe tödlichen Verwicklungen.
Cherubinis 1805/06 für und in Wien komponierte Opéra comique «Faniska» gehört zum ersten Typus, Mayrs Semiseria «Elena», die er acht Jahre später (in engster zeitlicher Nachbarschaft zu seinem Meisterwerk «Medea in Corinto») für das neapolitanische Teatro dei Fiorentini schrieb, zum zweiten. Beide Werke basieren, wie könnte es bei solchen pièces de sauvetage anders sein, auf französischen Vorlagen. Für Mayr hatte der versierte Andrea Leone Tottola das von Jean-Nicolas Bouilly für Méhuls «Héléna» geschriebene Libretto benutzt und mit neapolitanischem Lokalkolorit versehen, für Cherubini hatte Joseph Sonnleithner das «Mélodrame à grand spectacle» von René Charles Guilbert de Pixérécourt «Les Mines de Pologne» verwendet – ein finsteres Souterrain-Stück, das sich in Wien großer Beliebtheit erfreute.
Und da beginnen die Probleme. ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 56
von Klaus Heinrich Kohrs
Sie hat nur einen kurzen Auftritt. Die Jukebox, die Detlef Heusingers «chronologischem Musiktheater» den Namen verleiht: «Jukeboxopera». Sie verschwindet nach der ersten Szene in der Versenkung der Bühne des Theaters Freiburg. Mehr als eine Initialzündung ist sie nicht. Das rund 100-minütige Werk des Komponisten und künstlerischen Leiters des Freiburger...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (5.8.) als Präsenzvorstellung angekündigten Premieren und Festivals der Monate September/Oktober 2021. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML = Musikalische...
Die Premiere von Rossinis «Il turco in Italia» am 22. Februar 2020 war die letzte Vorstellung an der Scala, bevor das Theater zur Abwehr der Coronae-Pandemie geschlossen wurde. Rossini besingt ein idyllisches Bella Italia – «dich liebt der Himmel und die Erde!» Dagegen war am Tag der Premiere 60 Kilometer entfernt, in dem, was die Italiener habsburgisch «il...
