Sein und Strafe
Mainz ist keineswegs das Mekka der Minimal Music. Außerdem wäre der Spielplan dafür zu ausgewogen. Erfunden wurde die «Gattung» um 1960 in New York City, San Francisco und Umgebung, mit starken Auswirkungen auf das Rezeptionsverhalten von Musik und Musiktheater weltweit. Geringster gemeinsamer Nenner sind Wiederholungsmuster, aus denen eine Art Passacaglia-Maschine entsteht. Minimal bedeutet nicht, wie oberflächlich angenommen, dass nur wenige musikalische Mittel einzusetzen wären, um größeren Zusammenhang zu stiften.
Klangliche Dramatik, Modulation und Farbwechsel vollziehen sich in kleineren, kontrastreich gestalteten Schritten ohne allzu weiten Amplitudenausschlag. Eine Art Schule des Hörens.
Es wird nicht mit Modernismen gebuhlt, um einem Publikum vorzugaukeln, es habe an Zeitgenossenschaft teil. Es geht darum, mit einem Blick über die Schulter des Komponisten Musik an ihrem Wachstumsort nachvollziehend erlebbar zu machen: Das bestätigte jetzt das Staatstheater Mainz mit der klanglich überaus transparenten (mit Mut zum suggestiven Groove: Dirigent Andri Joël Harison) wie gesanglich durchweg überzeugenden Kafka-Adaption «In der Strafkolonie» von Philip Glass im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Achim Heidenreich
Wir leben in liebebedürftigen Zeiten. Die Deutsche Oper Berlin stellt unter ihrem neuen Intendanten Aviel Cahn gleich die ganze Spielzeit unter das Motto «Make Love», das Staatstheater Cottbus startet die Saison mit einer ultimativen Hommage an die ultimative Liebesgeschichte der Literatur-, nein, überhaupt der Kunstgeschichte. Dass Shakespeares «Romeo und Julia»...
arte
01.11. 17.00 Uhr
Giuseppe Verdi: Requiem
Von 2015 an zeichnete Riccardo Chailly verantwortlich für den musikalischen Auftritt der Mailänder Scala, bis er im Dezember 2025 aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat. Für sein letztes Konzert als Chefdirigent des Orchesters des legendären Opernhauses wählte er das spektakuläre Requiem von Giuseppe Verdi. Als...
Im Wettlauf um die schnellere Wahrnehmung unterliegt das träge Ohr dem flinkeren Auge. Darum ist in Opernkritiken stets mehr vom Gesehenen als vom Gehörten, mehr von der Szene als von der Musik die Rede. Selbst die besten, ausgewogensten Bücher wie jüngst Stephan Möschs wegweisende Geschichte der Bayreuther Festspiele machen davon keine Ausnahme und schlagen sich...
