Pflegefall
In der jüngsten Frankfurter Version könnte Gounods schillernd melodiöses Spiel mit dem Fauststoff getrost «Margarethe» heißen. Denn Nina Stemme wurde schnell zum faszinierend suggestiven Zentrum dieser – nach Boitos «Mefistofele» – jüngsten Opern-Beschäftigung in der Geburtsstadt Goethes mit dessen zentraler Dichtung. Dabei war sie bei Andrew Richards den Avancen eines draufgängerisch schmetternden, jedoch weniger geschmeidig feinzeichnenden Dr. Faust ausgesetzt, während Mark S.
Doss als lustvoll eloquenter Spielmacher Méphistophélès wie der Gast aus einer anderen, märchenhaften Welt durch die Szene geistert und Akteure wie Chor lenkt und aufmischt. Musikalisch ist dieser «Faust» auch in den Nebenrollen erstklassig ausgestattet: vom kraftvoll dominierenden Zelijko Lucic als Valentin, über die prägnant ihre späten Lebensträume einfordernde Elzbieta Ardam als Marthe Schwerdtlein bis hin zur sanften Jenny Carlstedt als sich beharrlich um Marguerite bemühender Siebel. Intendant Bernd Loebe legt wieder einmal Ehre ein – mit dieser Programmentscheidung und mit seinem Ensemble. Was natürlich auch für das Museumsorchester gilt, das seinem dirigierenden Gast Johannes Debus inspiriert in die ...
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Schmettern wie Metternich. Davon dürften viele geträumt haben, die das dramatische Baritonfach singen wollten. Einmal solche Töne rausschleudern wie Metternich am Ende des «Bajazzo»-Prologs oder im Te Deum des Scarpia. Doch wie Birgit Nilsson, Franco Corelli oder Leonie Rysanek war Metternich ein stimmlicher Sonderfall, nach den Regeln klassischer Gesangskunst und...
Merkwürdig – vielleicht beschreibt dieses abgenutzte Kompositum seine Aura am treffendsten. Die Vita und die Kunst eines Mannes, der im Puls seiner Heimat, der mährischen Provinz an der Grenze zur Slowakei, die Umrisse einer neuen Musik entdeckte. Merkwürdig im Wortsinn ist nicht nur das an schrulligen Wendungen reiche Leben des unsteten Einzelgängers, der oft Mühe...
Dass Wagners frühe «Feen» kaum gespielt werden, hat viele Gründe. Vor allem liegt es am Komponisten selbst. Bekanntlich ackerte sich Wagner nicht nur an der Idee des Gesamtkunstwerks ab, sondern versuchte auch, sein eigenes Schaffen als ästhetisches Integral zu vermitteln. Dazu passten seiner Meinung nach weder «Die Feen» noch «Das Liebesverbot» oder «Rienzi»....
