Sehnsucht nach Transzendenz
Seine wichtigste Quelle ist die Leere. Die Absenz aller Gedankenschwere. Den Kopf müsse er frei haben, um anfangen zu können. Um empfänglich zu sein für Ideen, Perspektiven, Erfahrungen, die sonst unbemerkt blieben. Für inwendige Energien von Menschen, Dingen, Werken, die sich nicht von selbst erschließen. Für die Essenz jener verborgenen existenziellen Kräfte, die in allem schwingen.
Was ihn antreibt, den Künstler wie den Beobachter der Zeitläufte, ist die Frage nach dem metaphysischen Ort unserer modernen Lebenswelt, nach den Wurzeln einer durch Zweckrationalität gefährdeten Schöpfung. So gilt sein suchendes Interesse primär der transzendierenden Dimension von Musik, Poesie, Tanz und Theater, dem ihrer geistig-ästhetischen Gestalt eingeschriebenen Vermögen, uns mit dem Atem der Götter, dem Herzschlag des Universums zu verbinden.
In seinen besten Arbeiten hat Willy Decker diese Rückbesinnung auf die spirituell-rituellen Ursprünge des Bühnenspiels gleichsam unter der Hand sichtbar gemacht, unerschöpfliche Tiefe an der Oberfläche streng komponierter Gesten, Bewegungen und Bilder gezeigt. Dass er die Intendanz der Ruhrtriennale (2009–2011) nutzte, um – konsequent jenseits ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann
Musikalischen Bildern der Verrücktheit und des Wahnsinns hat die französische Mezzosopranistin Stéphanie d’Oustrac ihr neues Album gewidmet. Das Außer-sich-Sein und die Liebe liegen in der Kunst wie im Leben nahe beieinander. In einer von La Fontaines Fabeln wird die personifizierte Tollheit, die ihrem Pendant, l’amour, im Streit das Augenlicht geraubt hat, von den...
Das ist großsprecherisch, prahlerisch, Italien und die Gascogne in einem, und: es ist wahr!» Das schrieb Hector Berlioz 1855 anlässlich der ihm vom jungen Hans von Bülow und von Liszt abverlangten Revision seines «Benvenuto Cellini» von 1838 für dessen Weimarer Revival in den 1850er-Jahren. Er hatte bei der Uraufführung alle überfordert, die Ausführenden ebenso wie...
Sehnsüchtig blickt Catherine Malfitano zurück auf ihre Zeiten als Primadonna. Damals, anno 1992, drehte die amerikanische Sopranistin an den drei römischen Originalschauplätzen der «Tosca» an der Seite eines schwärmerischen Plácido Domingo jene Verfilmung des Puccini-Schockers, die den Realismus des Verismo im historischen Ambiente einzufangen suchte. In Aix...
