Sehnsucht nach Transzendenz

Ein Sucher, der aus der Stille und der Leere schöpft: zum 70. Geburtstag des Regisseurs Willy Decker

Seine wichtigste Quelle ist die Leere. Die Absenz aller Gedankenschwere. Den Kopf müsse er frei haben, um anfangen zu können. Um empfänglich zu sein für Ideen, Perspektiven, Erfahrungen, die sonst unbemerkt blieben. Für inwendige Energien von Menschen, Dingen, Werken, die sich nicht von selbst erschließen. Für die Essenz jener verborgenen existenziellen Kräfte, die in allem schwingen.

Was ihn antreibt, den Künstler wie den Beobachter der Zeitläufte, ist die Frage nach dem metaphysischen Ort unserer modernen Lebenswelt, nach den Wurzeln einer durch Zweckrationalität gefährdeten Schöpfung. So gilt sein suchendes Interesse primär der transzendierenden Dimension von Musik, Poesie, Tanz und Theater, dem ihrer geistig-ästhetischen Gestalt eingeschriebenen Vermögen, uns mit dem Atem der Götter, dem Herzschlag des Universums zu verbinden.

In seinen besten Arbeiten hat Willy Decker diese Rückbesinnung auf die spirituell-rituellen Ursprünge des Bühnenspiels gleichsam unter der Hand sichtbar gemacht, unerschöpfliche Tiefe an der Oberfläche streng komponierter Gesten, Bewegungen und Bilder gezeigt. Dass er die Intendanz der Ruhrtriennale (2009–2011) nutzte, um – konsequent jenseits ...

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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann