Sehnsucht nach Transzendenz
Seine wichtigste Quelle ist die Leere. Die Absenz aller Gedankenschwere. Den Kopf müsse er frei haben, um anfangen zu können. Um empfänglich zu sein für Ideen, Perspektiven, Erfahrungen, die sonst unbemerkt blieben. Für inwendige Energien von Menschen, Dingen, Werken, die sich nicht von selbst erschließen. Für die Essenz jener verborgenen existenziellen Kräfte, die in allem schwingen.
Was ihn antreibt, den Künstler wie den Beobachter der Zeitläufte, ist die Frage nach dem metaphysischen Ort unserer modernen Lebenswelt, nach den Wurzeln einer durch Zweckrationalität gefährdeten Schöpfung. So gilt sein suchendes Interesse primär der transzendierenden Dimension von Musik, Poesie, Tanz und Theater, dem ihrer geistig-ästhetischen Gestalt eingeschriebenen Vermögen, uns mit dem Atem der Götter, dem Herzschlag des Universums zu verbinden.
In seinen besten Arbeiten hat Willy Decker diese Rückbesinnung auf die spirituell-rituellen Ursprünge des Bühnenspiels gleichsam unter der Hand sichtbar gemacht, unerschöpfliche Tiefe an der Oberfläche streng komponierter Gesten, Bewegungen und Bilder gezeigt. Dass er die Intendanz der Ruhrtriennale (2009–2011) nutzte, um – konsequent jenseits ...
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Opernwelt September/Oktober 2020
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Albrecht Thiemann
Das wäre wohl die perfekte, kinoreife Tellerwäscher-Story: Wie der Bauernbub Johann Joseph Fux aus einem kleinen steirischen Dorf nahe der Hauptstadt Graz aufstieg zum höchsten Amt, das Europas Musikwelt damals zu vergeben hatte, dem Hofkomponisten gleich dreier Habsburger Kaiser. Vieles aus dem Leben dieses «Provinzlers» bleibt im Dunklen. Man weiß wohl, dass er...
Gaspare Spontinis «Fernand Cortez» gilt als erster Schritt auf dem Weg zur Grand Opéra. Mit seiner Kunst, Massen zu bewegen und dramatische Höhepunkte zu statischen Tableaus einzufrieren, hat der Italiener sich gleich drei Herrschern angedient, nicht ohne die jeweiligen politischen Konstellationen systemstabilisierend gleich ästhetisch mitzureflektieren: 1809...
Herr Cencic, was macht Ihnen mehr Angst – eine Infektion oder die Situation der Kulturszene?
Ich habe keine Angst vor einer Infektion. Wenn es einen erwischt, dann hat man halt Pech gehabt. Ich würde es natürlich nicht gern sehen, dass wir diese Ausnahmesituation bis September haben. Die Maßnahmen sind notwendig, ganz klar. An sich finde ich die Einschränkungen...
