Sehnsucht nach Süße
Die minimalistischen Schleifen des ersten Tableaus haben sich eingebrannt. Eine Mollterz hinab, dann hinauf, bis zur Quarte, eine kleine Terz zurück. Stufe um Stufe, wieder und wieder. Auf der Bühne gibt es keine Darsteller, nur Landschaft, entworfen von dem isländischen Künstler Kjartan Kjartansson. Bewusst altmodisch. Ungeniert romantisch. Ein pictorial music play im Stil des späten 19. Jahrhunderts. Wogen rollen gegen Felsen, ein Sonnenstrahl fällt durch die Wolken. Flocken rieseln im verschneiten Hain. Freundlich glimmen die Balken einer niedergebrannten Hütte.
Vor einer Gletscherhöhle geht die Sonne auf. Die ätherischen Klänge aus der Feder des Ex-Sigur-Rós-Mitglieds Kjartan Sveinsson sind dem Filmorchester Babelsberg unter David Thor Jónsson anvertraut, der Filmchor betört mit nordisch klarem Klang und Texten aus Halldór Laxness’ Roman «Weltlicht».
Ist das ernst gemeint? Oder so etwas wie das Madonnenbild vom Flohmarkt: Trash für die Kitsch-Ecke eines Hipsterlebens? «Der Klang der Offenbarung des Göttlichen» ist beim Reykjavik Arts Festival zu erleben, doch die Uraufführung zeigt die Berliner Volksbühne. Was dem Gemälde einen ganz bestimmten ästhetischen Rahmen verpasst. ...
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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Wiebke Roloff
Einen «Bühnenessay» nennt Elfriede Jelinek ihren Text «Rein Gold». Sie definiert damit kein neues Genre. Sie legitimiert nur, was längst Praxis ist im sogenannten Regietheater: Man nimmt eine alte Vorlage und formuliert dazu Thesen, die gut einen Essay abgäben, aber kein eigenes Stück. So entsteht ein Theater, in dem Worte und Gedanken an die Stelle von Vorgängen...
Es war kein Mordversuch wie im Libretto vorgesehen. Eher ein kleiner Streit. Ein falsches Wort, die Stimmung kippt, und schon finden sich die Hände des Grafen Belfiore (Enea Scala) am Hals der Marchesa Violante (Erin Morley). Hat er wirklich zugedrückt? Möglich. Wenn ja, dann nur ein bisschen, wie zum Spaß. Doch Violante ist ihm ebenbürtig. Dass sie tot zu Boden...
Es gibt da ein Spiel, das Opernfans in England gern spielen. Es heißt «Richard Jones Bingo» und geht so: Man geht in eine Jones-Inszenierung. Und jedes Mal, wenn man eins seiner Markenzeichen sieht, gibt’s ein Kreuzchen. Eine Blümchentapete? Ein Waschbecken? Ein Sänger, der seltsame Verrenkungen macht? Bingo!
Gerade laufen in Glyndebourne die Proben für den...
