Thesen, Rätsel

Jelinek: Rein Gold Dittrich: Die Blinden/Die Verwandlung Berlin / Staatsoper im Schiller Theater

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Einen «Bühnenessay» nennt Elfriede Jelinek ihren Text «Rein Gold». Sie definiert damit kein neues Genre. Sie legitimiert nur, was längst Praxis ist im sogenannten Regietheater: Man nimmt eine alte Vorlage und formuliert dazu Thesen, die gut einen Essay abgäben, aber kein eigenes Stück. So entsteht ein Theater, in dem Worte und Gedanken an die Stelle von Vorgängen und Figuren treten. Vom Sinn der Vorlage bleiben oft nur Reste übrig.

Was Jelinek sich zu Richard Wagners «Ring des Nibelungen» ausgedacht hat, ist nicht neu.

Denn dass Wagners Ringparabel die Gier, Lieb­losigkeit und Verrechtlichung der Lebensverhältnisse im Kapitalismus spiegeln kann, weiß man spätestens seit der Leipziger Inszenierung von Joachim Herz, die 1976 vollendet war und alle wesentlichen Gedanken des Bayreuther «Rings» von Patrice Chéreau im selben Jahr vorwegnahm. Das Ersticken von Wagners revolutionären Impulsen in einem Pessimismus, der Erlösung nur noch im Untergang sieht, ist oft benannt worden. Und der latente Inzest zwischen Wotan und seiner Tochter Brünnhilde dürfte zudem nur ganz arglosen Seelen bislang verborgen geblieben sein. Jelineks kreativer Beitrag ist der Tonfall: Die Zotenfrau unter ­den ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Jan Brachmann

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