Seelenschau und Knalleffekt

Mozart: La finta giardiniera Lille / Opéra

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Es war kein Mordversuch wie im Libretto vorgesehen. Eher ein kleiner Streit. Ein falsches Wort, die Stimmung kippt, und schon finden sich die Hände des Grafen Belfiore (Enea Scala) am Hals der Marchesa Violante (Erin Morley). Hat er wirklich zugedrückt? Möglich. Wenn ja, dann nur ein bisschen, wie zum Spaß. Doch Violante ist ihm ebenbürtig. Dass sie tot zu Boden sinkt, ist auch nur ein Trick. Aber der wirkt. Der Graf sucht verstört das Weite.

Violante lässt sich von ihrem Diener Schürze und Gummistiefel reichen; als «falsche Gärtnerin» wird sie im Haus des Don Anchise wieder auf Belfiore treffen. Diese Vorgeschichte spielt sich während der Ouvertüre zur «Finta gardinie­ra» ab – die im Opernhaus in Lille vom Concert d’Astrée unter Emmanuelle Haïm mit gazellenhafter Gewandtheit musiziert wird.

Mozart schrieb das Stück als Karnevalsspaß für die Münchener Adels-Society. Paare trennen sich, es finden sich die Falschen, dann die Richtigen – zurück bleibt ein blamierter Don Anchise (Carlo Allemano). Davon fühlte man sich zwar 1775 bestens unterhalten, aber die Komödie verschwand trotzdem bald von der Bühne. An der Musik kann es nicht liegen. Der jugendliche Mozart teilt hier bereits mit ...

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Opernwelt Mai 2014
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Mathias Nofze

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