Sehnsucht nach Direktheit
Schumann. Er erinnert an Robert Schumann, ein bisschen. Nicht physiognomisch, dafür ist er viel zu schlaksig. Auch ist nicht bekannt, dass Schumann sich der Welt je unrasiert gezeigt hätte. Nein, vor allem das Tempo ist es, das Tempo einer Schumann-Sonate: so rasch wie möglich. Und eben diese Spielanweisung scheint es irgendwo im Hinterkopf dieses erstaunlich begabten Menschen zu geben, als eine Art kategorischen Imperativ. Denke, handle und sprich schnell, das Leben rennt sonst an dir vorbei. Die Gedanken, die Ideen. Das, was du alles wissen willst. Und zeigen.
Ein Hungriger also, wissenshungrig, tatenhungrig, lebenshungrig. Und weil das so ist, spricht Sebastian Baumgarten eben auch in diesem flinken Tempo. All die Informationen, die er gespeichert hat, müssen schließlich irgendwohin, müssen aus der ideell-amorphen Welt hinaus, hinein in eine konkrete Welt. Und die befindet sich auf dem Theater. Mit und ohne Musik.
Da gilt es zunächst, einen Irrtum zu beseitigen. Sebastian Baumgarten hat nie gesagt, er wolle mit der Oper aufhören. Man hat es ihm angedichtet, vielleicht sogar, um diesen politischen, politisch denkenden und handelnden Regisseur davon abzuhalten, die Gattung, die ...
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Titus kehrt zurück. Keine Oper hatte in Mozarts Jubeljahr 2006 einen so rauschhaften Wiederauftritt wie seine letzte: «La clemenza di Tito». An der bislang überschaubaren Diskografie lag’s wohl auch. Seit früheren Aufnahmen wie denen von István Kertész und Colin Davis (und trotz der späteren von Harnoncourt und Gardiner) schien es, als sei das Werk von der...
Viel habe ich während meiner dreizehn Jahre als Intendant der Bayerischen Staatsoper gelernt. Dazu gehört, dass es leider nur zu oft unumgänglich für ein Opernhaus ist, bockig und kompromisslos zu sein. Es gehört zu unseren Aufgaben, die Vorstellung darüber, was möglich oder akzeptabel ist, auszudehnen. Die Politik sollte Toleranz aufbringen für das, was wir tun...
Da gelo a gelo» – «Von Erstarrung zu Erstarrung» könnte man den Titel von Salvatore Sciarrinos jüngster Oper übersetzen. Es ist die dritte Bühnenarbeit dieses Komponisten, die bei den Schwetzinger Festspielen uraufgeführt wurde. Das Werk fußt auf dem Tagebuch der japanischen Dichterin Izumi Shikibu, die vor etwa tausend Jahren lebte. Sie gilt als die größte Poetin...
