Seelenkammer
Dieses nahezu versteinerte Gesicht hat schon viel erlebt, zu viel vielleicht. Paul: bei Wolfgang Schwaninger ein reifer Mann mit Haarkranz, schlank, drahtig – und nicht mehr Herr seiner Sinne. Ihm ist das wahrscheinlich Schlimmste zugestoßen. Wie weiterleben, wenn die Geliebte gestorben ist?
Wie umgehen mit Trauer und Verlust? Diese Fragen sind es, die an Erich Wolfgang Korngolds Oper «Die tote Stadt» auch heute noch berühren.
Paul – und wer wollte ihn dafür richten? – geht auf seine Weise mit der Katastrophe um, schließt sich ein, physisch und mental, baut einen Altar für Marie, projiziert sein Sehnen auf die real existierende, der Verstorbenen ähnelnden Marietta. Die ist bei Noa Danon eine wesentlich jüngere Frau, allein das beschert in Magdeburg schon surreale Momente. Sie lacht, freut sich ihres schönen Haares, eine Lebensgenießerin, ganz anders offenbar als die strenge 20er-Jahre-Schönheit Marie auf Pauls Bild, der sie nur äußerlich gleicht. Aber das will Paul nicht erkennen.
Auf der Bühne sehen wir von der «toten Stadt» Brügge nichts. Das Morbide haben Korngold und sein Vater Julius, der Librettist, in die Partitur eingeschrieben. Pauls Wohnung legt Regisseur Jakob ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Udo Badelt
Wenn man ihn des Diebstahls geistigen Eigentums bezichtigte, pflegte Händel sarkastisch zu reagieren: «Diese Dummköpfe», soll er gepoltert haben, «wissen doch gar nichts mit einer guten Idee anzufangen.» Oft lag er damit richtig. Doch Alessandro Scarlatti, dem er nicht nur eine Vielzahl an melodischen Einfällen, sondern auch Vorbilder für die prägnante Gestaltung...
JUBILARE
Die Sopranistin Christine Weidinger wurde 1946 in Springville, New York, geboren und studierte Gesang an der Arizona State University in Tempe, am San Fernando State College und an der Indiana University in Bloomington. 1972 debütierte sie an der Central City Opera Company als Cherubino in «Figaros Hochzeit». Im selben Jahr gewann sie einen...
Richard Wagner war einer der ersten Komponisten, der nicht den Notentext, sondern die Aufführung als «Werk» verstand: Ein Kunstwerk, so seine Überzeugung, existiere nur dadurch, dass es «zur Erscheinung» komme. Und für das Drama sei das nun mal die Aufführung auf der Bühne. Damit unterschied sich Wagner nicht nur von starken Tendenzen der zeitgenössischen Ästhetik...
