Schwungvolles Plädoyer

Nordhausen, Hindemith: Neues vom Tage

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Sie haben Recht behalten, der junge Hindemith und sein Librettist Marcellus Schiffer. Die Themen ihrer 1929 in Berlin von Otto Klemperer uraufgeführten lustigen Oper «Neues vom Tage» sind heute so aktuell wie damals. Kaputte Beziehungskisten, inszenierte Ehehöllen, intime Bekenntnisse für die Masse – wir kennen das. Wenn nicht aus eigener Anschauung, so doch via RTL oder aus der Regenbogenpresse. Auch die Einsicht, dass sich mit den kleinen und großen privaten Katastrophen auf dem Boulevard glänzend Geschäfte machen lassen, ist uns wohl vertraut.

Am Missgeschick der anderen kann man das eigene Mütchen eben am besten kühlen, zumal wenn es bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft ist. Von diesem Antrieb lebt die Skandalgeschichte – seit eh und je.
Im politisch polarisierten Reizklima der späten Weimarer Republik ist die rasante Farce um zwei scheidungswillige Paare und einen öligen Vermittler, der schon mal einer Klientin im Museum nachstellt, selbst zum Skandalfall geworden. An dem Arioso nämlich, das der Sopran Laura (besagte Klientin) zu Beginn des zweiten Teils mit schönster Strauss’scher Kantilenen­inbrunst in der Badewanne über den Luxus der Warmwasserversorgung anstimmt, entzündeten ...

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Opernwelt August 2007
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
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