Schwungvolles Plädoyer
Sie haben Recht behalten, der junge Hindemith und sein Librettist Marcellus Schiffer. Die Themen ihrer 1929 in Berlin von Otto Klemperer uraufgeführten lustigen Oper «Neues vom Tage» sind heute so aktuell wie damals. Kaputte Beziehungskisten, inszenierte Ehehöllen, intime Bekenntnisse für die Masse – wir kennen das. Wenn nicht aus eigener Anschauung, so doch via RTL oder aus der Regenbogenpresse. Auch die Einsicht, dass sich mit den kleinen und großen privaten Katastrophen auf dem Boulevard glänzend Geschäfte machen lassen, ist uns wohl vertraut.
Am Missgeschick der anderen kann man das eigene Mütchen eben am besten kühlen, zumal wenn es bis zur Unkenntlichkeit geschrumpft ist. Von diesem Antrieb lebt die Skandalgeschichte – seit eh und je.
Im politisch polarisierten Reizklima der späten Weimarer Republik ist die rasante Farce um zwei scheidungswillige Paare und einen öligen Vermittler, der schon mal einer Klientin im Museum nachstellt, selbst zum Skandalfall geworden. An dem Arioso nämlich, das der Sopran Laura (besagte Klientin) zu Beginn des zweiten Teils mit schönster Strauss’scher Kantileneninbrunst in der Badewanne über den Luxus der Warmwasserversorgung anstimmt, entzündeten ...
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Der Skandal ist auch nicht mehr, was er einmal war. Als der in Ehren ergraute österreichische Bürgerschreck Hermann Nitsch – in Zusammenarbeit mit dem jungen Schweizer Schauspieler und Regisseur Andreas Zimmermann – im Zürcher Opernhaus Schumanns «Faust-Szenen» auf die Bühne brachte, mochte er nicht auf das Markenzeichen seines «Orgien Mysterien Theaters», die...
Zwar reicht die Autobahn endlich ganz bis zur drittgrößten, 180 000 Einwohner zählenden Stadt Ungarns, doch empfängt Miskolc seine Gäste zunächst mit einem Dschungel realsozialistischer Plattenbauten. Schlagartig wird angesichts dieser Kulisse klar, dass zahlungskräftiges Publikum hier nur Mangelware sein kann. Vor sieben Jahren haben sich die damaligen Leiter...
Das Bild ist ein bekanntes, nicht nur, weil Edward Hopper es in verschiedenen Varianten gemalt hat. Einsam dort ein Mann, nächtens, in irgendeiner Bar irgendwo, den Kopf schwermütig auf den blankgewienerten Tresen gelehnt, niemand mehr ist da außer ihm und dem Wirt. Ein Gestrandeter, am Leben Verzweifelter, ein Mann, der die Welt nicht mehr versteht. Doch da ist...
