Der Unbeirrbare
Nach der Maxime Senecas, dass «wahre Freude eine ernste Sache» ist, hat Ulrich Schreiber gelebt und gearbeitet. Er war nicht ganz unschuldig daran, dass ich mein Berufsleben bei der Kölner Electrola begann. Dort habe ich ihn als Theater- und vor allem als Schallplatten-Kritiker der «HiFi-Stereophonie» erlebt, von dem nichts weniger zu erwarten war als freundlich-gefällige Rezensionen, gerade, wenn es um Maschen, Moden und Manipulationen ging und um das mediale Build-up von Stars. Gelegentlich, in Momenten der Verärgerung, füllte er die Feder mit Vitriol.
In der Musikbranche war er gefürchtet. Doch war ihm die hämische Aggressivität, mit der heute billige Totschlagzeilen fabriziert werden, gänzlich fremd. Auch und gerade in der Polemik wahrte er Sachlichkeit. Er nahm seine Leser und Hörer ernst, indem er sie forderte.
Was ihn interessierte, war immer – mit einem von ihm gern gebrauchten Wort – der «Kunstwerkcharakter». Was er dabei nie aus dem Blick verlor, waren die politischen und soziologischen Aspekte des Musiklebens. Sein 1979 veröffentlichter Schallplattenführer, lesenswert auch heute noch, war ein erstes Zeugnis dieser kritischen Arbeit. Auf die Impertinenz, die sich nicht ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine merkwürdige, vielfach bestätigte Erfahrung: die Premiere einer Neuinszenierung, endend in einer Schlacht zwischen Buh und Bravo, von den Medien kontrovers kommentiert. Die zweite Vorstellung sodann ungestört, mit ein paar vereinzelten Buhrufen, die sich eher wie ein Accent aigu zur allgemeinen Zustimmung ausnehmen. So jetzt wieder bei der Neuproduktion von...
Was tut ein Zwölfjähriger, um seine Frühreife zu demonstrieren? Sich volllaufen lassen wie die Alten? Oder eine Oper schreiben? Natürlich hinkt der Vergleich zwischen Kampftrinker und Genie, trifft sich allenfalls beim Begriff «Rausch», wobei der von außen induzierte gelegentlich den kreativen fördert – als Beispiel mag Mussorgsky dienen. Auch Mozart hat zur...
Köln, 18. Mai 1957. Eröffnungsfestakt am Offenbachplatz für das neue Opernhaus. Otto Ackermann, Kölns damaliger GMD, dirigiert Beethovens dritte Leonoren-Overtüre, bevor – nach einigen Reden – Webers «Oberon» aufgeführt wird, mit der kurzfristig eingesprungenen Leonie Rysanek als Rezia.
Die Jahre des provisorischen Spielorts in der Aula der alten Universität waren...
