Beim Wort genommen
Es ist, um das Wesen der Gattung zu erspähen, hilfreich, eine kleine Reise zu unternehmen in jene ferne Zeit, die zumal in deutschen Landen gemeinhin unter dem Rubrum «Die Wilden Zwanziger» Eingang in die Geschichte gefunden hat. Wild, das ist für die Mehrzahl derer, die von dieser Zeit schwärmen, ein nachgerade romantisch verfügtes Synonym für das Ausschweifend-Anarchistische – wobei es weit mehr den sexuellen Kontext bemüht als die politischen, gesellschaftlichen Gegebenheiten.
Zugegeben eine verständliche Ansicht: Natürlich spricht man lieber über die Liebe als über das Leben.
So auch in der Operette. Dass sie, nicht zuletzt in Wien und Berlin, den seinerzeit führenden Kunststädten, eine Blütezeit erlebte, verdankt sich wohl auch der Tatsache, dass man die «leichte Muse» dringend benötigte, um das Schwere besser verdauen zu können. Denn schwer war diese Zeit zwischen zwei Weltkriegen allerdings; existenziell. Die Inflation preschte mit Feuereifer voran, der «Schwarze Freitag» war in der Ferne schon sichtbar wie jener Orkan, der auf Mahagonny zusteuerte. Der nicht eben unbeträchtliche Unterschied: Mahagonny wurde verschont.
Das ist, in groben Zügen, der Kontext, in dem Franz ...
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Frau Dessay, Sie scheinen sich Ihre Bühnenrollen überzuziehen wie eine zweite Haut. Wie sehr identifizieren Sie sich mit ihnen?
Auf der Bühne völlig. Aber sonst sind Bühne und Realität für mich zwei sehr unterschiedliche Welten.
Sie nehmen die Figur also nicht mit nach Hause?
Nein, überhaupt nicht. Im Moment, wo ich von der Bühne herunterkomme, bin ich wieder ganz...
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«Fang mich doch» am Staatstheater Mainz. Auf einer Stunde-Null-Bühne (Marc Weeger) spielen drei Kinder. Wer Donizettis «Lucia» oder Walter Scotts «Bride of Lammermoor» nicht kennt, kommt mit einem Blick ins kompakte Programmheft aus: Auf der Bühne wird die Vorgeschichte der «Lucia»-Oper umrissen. Der kleine Enrico Ashton und seine Schwester Lucia spielen mit...
