Schwarze Wasser

Zweimal Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk»: brillant in Hagen, bemüht in Leipzig

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Das Bild, man kann es nicht anders sagen, ist trostlos. Einsam und verlassen, im eleganten, schwarzglitzernden Kleid, die Haare halbhoch getürmt, hockt Katerina Ismailowa in der Dunkelheit vor dem Hintereingang eines Varieté-Theaters, begleitet nur vom elegischen Gesang der Soloklarinette, von sehnsüchtigen Violinen und zarten Flötenterzen, so als habe das Leben sie hier abgestellt.

Und mag man auch Boris Timofejewitsch, ihren tyrannischen Schwiegervater, noch nicht sehen, hören kann man ihn schon – in der knarzenden Linie des Fagotts über dem monoton stampfenden Streicher-Pizzicato, mit der die Klarinette unsanft aus dem Feld geräumt wird. Betrachtet man Katerina, scheint es, als würde jener Philosoph Recht behalten, der das Subjekt einmal als unrettbar verloren bezeichnete. Und zu allem Überfluss prangt über dem Portal des Varieté-Theaters auch noch das Gemälde jenes Mannes, dessen Schreckensherrschaft noch in die kleinsten (Kunst-)Stuben hineinreichte: Josef Wissarionowitsch Stalin.

Das spartanische Bühnenbild, das Mathis Neidhardt für das erste Bild von Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» ins Theater Hagen gesetzt hat, ist nicht anders denn genial zu nennen. Und auch ...

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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten

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