Schwarze Löcher
Beethovens «Fidelio» mit seinem Nebeneinander von Biedersinn und der Feier des Humanen stellt jede Regie zunächst einmal vor ein generelles Problem. Was tun mit dem widersprüchlichen Werk? Ob die zur Gewohnheit gewordene Lösung dieses Problems durch ein oratorienhaftes Blow up ins Allgemeinmenschliche noch trägt, darf und muss man bezweifeln; zugleich bietet die Leerstelle Gelegenheit für radikale Lektüren.
Das nun in Amsterdam zu erlebende muntere Herumzitieren von allem Möglichen, die Bedeutungshuberei im Dienst einer unterkomplex sich darstellenden Story von einer gestörten Weltharmonie im Fantasy-Kampf von Gut gegen Böse, zeitigt jedoch keinen Gewinn. Es ist vielmehr ein Unglück. Doch der Reihe nach. Als Marzelline, die hier als ein ziemliches Luder erscheint, und der unbedarfte Jaquino ihr Beziehungsgespräch führen, mit dem Beethoven so singspielhaft-kleinbürgerlich beginnt; bevor es dann schnell ums große Ganze, ja, nicht weniger als um «der Menschheit Stimme» geht, da haben wir schon zehn Bühnenbilder und eine Astro -physiker-Konferenz (als Vorspiel) hinter uns. Eine Wissenschaftlerin – sie sieht aus wie später Leonore – gibt bekannt, dass ein großes schwarzes Loch auf die ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Holger Noltze
Wissen die Frauen alles? Oder ist die Verkleidung der Kerle perfekt? Oder lassen sie doch wenigstens eine kleine Ahnung erahnen? Es ist, so scheint es aus Sicht der Regie, das zentrale Problem von «Così fan tutte». Dabei ist die Sache so simpel wie szenisch kompliziert: Man weiß es einfach nicht. Die Genialität von Mozarts und Da Pontes letztem Geniestreich liegt...
Kurz vor drei ist die Welt an diesem Nachmittag auf der Eteläesplanadi noch in Ordnung. Der Himmel ein schwereloses Gemälde in Graublau, vom Hafen weht eine sanfte Brise herüber, und angenehm warm ist es auch: 23 Grad Celsius. Auf dem sandkörnigen Mittelstreifen herrscht reger Flaneur-Verkehr, und auch die wenigen Parkbänke vor der Espan Lava, einer Konzertbühne en...
Schöner Satz: «Mit dem Abschied beginnt die Erinnerung.» Gesagt hat ihn Salvador Dalì, der verrückte spanische Surrealist, aber auch für Saskia Zimmermann besitzt er eine enorme Bedeutung. Gleich nach dem Tod ihres Mannes, des Komponisten Udo Zimmermann, nahm sie sich vor, mit einem Buch an sein Leben und Werk zu erinnern. Also stöberte sie in Archiven, sammelte...
