Schwarze Löcher
Beethovens «Fidelio» mit seinem Nebeneinander von Biedersinn und der Feier des Humanen stellt jede Regie zunächst einmal vor ein generelles Problem. Was tun mit dem widersprüchlichen Werk? Ob die zur Gewohnheit gewordene Lösung dieses Problems durch ein oratorienhaftes Blow up ins Allgemeinmenschliche noch trägt, darf und muss man bezweifeln; zugleich bietet die Leerstelle Gelegenheit für radikale Lektüren.
Das nun in Amsterdam zu erlebende muntere Herumzitieren von allem Möglichen, die Bedeutungshuberei im Dienst einer unterkomplex sich darstellenden Story von einer gestörten Weltharmonie im Fantasy-Kampf von Gut gegen Böse, zeitigt jedoch keinen Gewinn. Es ist vielmehr ein Unglück. Doch der Reihe nach. Als Marzelline, die hier als ein ziemliches Luder erscheint, und der unbedarfte Jaquino ihr Beziehungsgespräch führen, mit dem Beethoven so singspielhaft-kleinbürgerlich beginnt; bevor es dann schnell ums große Ganze, ja, nicht weniger als um «der Menschheit Stimme» geht, da haben wir schon zehn Bühnenbilder und eine Astro -physiker-Konferenz (als Vorspiel) hinter uns. Eine Wissenschaftlerin – sie sieht aus wie später Leonore – gibt bekannt, dass ein großes schwarzes Loch auf die ...
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Opernwelt August 2024
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Holger Noltze
Mozarts «Così fan tutte» ist eine der wenigen Opern, die man eigentlich nicht verfehlen kann, weil die szenische Dramaturgie von Lorenzo Da Pontes genialem Libretto in jedem Setting, ob konkret verortet oder abstrakt, funktioniert. Die Wette auf die Frauentreue, die Don Alfonso inszeniert, gleitet dem misogynen Zyniker schnell aus der Hand, aus Spiel wird Ernst....
Er war, im November 1924, zur Bestrahlung seines Kehlkopfkrebses nach Brüssel gekommen. Brüssel aber wurde Puccinis Sterbeort, und er hinterließ seine letzte Oper unvollendet, mutmaßlich nicht nur nicht fertig komponiert, sondern stehengeblieben in einer dramaturgischen Sackgasse. Mutmaßlich hätte Puccinis Genie mit dem vorgesehenen außerordentlichen Liebesduett...
Kein Sympathieträger, nirgends. Nur empathielose, machtgeile Ausgeburten einer verkommenen englischen Adelsgesellschaft. Drei der fünf Protagonisten bleiben auf der Strecke: der namenlose König, sein Lover Gaveston und sein entmachteter Militärexperte Mortimer, der wiederum Gaveston ermorden lässt, bevor er selbst umgebracht wird. Über körperliche und seelische...
