Schwarze Kacheln
Die «grauenvolle Stille», welche Florestan im finstersten Winkel des Staatsgefängnisses von Sevilla umfängt, ist so beredt wie eine Generalpause in einer Symphonie von Anton Bruckner. Die Assoziationsmaschine seines Gehirns läuft auf Hochtouren. Er denkt zurück an des Lebens Frühlingstage und antizipiert zugleich hellere Zeiten, imaginiert «sanft säuselnde Luft», gar einen Engel, der ihn zur Freiheit führt. Eine derart tosende Stille, in der selbst Kerkerschimmel noch die Imagination von «rosigem Duft» hervorruft, bedarf freilich der sinnlich-analogen Vermittlung.
Die Bewusstseinsströme der Energien, Erinnerungen und Emotionen müssen fließen können – selbst dann, wenn nur ein einzelner Mensch sein Schicksal verhandelt, wie hier in einer die Vereinzelung auf die Spitze treibenden Arie von Beethoven, in der die Utopie, ins «himmlische Reich» auszubrechen mit der Fast-Schon-Unsingbarkeit der tenoralen Extremlage einhergeht.
Doch wie ist das mit der neuen Stille auf den verwaisten Bühnen, in extradünn besetzten Proben- und Unterrichtsräumen einer künstlerischen Hochschule? Was sagt uns diese Stille? Im dominant gewordenen, derzeit verpflichtenden Digitalkontext der ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 19
von Peter Krause
In Stendhals «Vie de Rossini» von 1823 steht der Satz «Réfléchir sur les beaux-arts, fait sentir» – Nachdenken über die schönen Künste macht fühlen. Der Gedanke könnte vom Publizisten Uwe Schweikert stammen, von 1971 bis Ende 2003 Lektor des Metzler-Verlags, seit 1992 dort verantwortlich für ein exquisites Musikprogramm, und seit vielen Jahren Mitarbeiter der...
Großfamilie, das trifft es nicht ganz, da gibt es zu viele Assoziationen über Opas und Omas, liebe Tanten und böse Onkel. Nennen wir es also Klassentreffen. Weil manchmal der eine nicht kann oder die andere nicht eingeladen wurde. Und weil diese Klasse aus ähnlichen Lebewesen, aus Ermöglichern und Spürhunden, Königsmachern und Königinnenkrönern besteht. Vor allem...
Er wollte eigentlich nur eine Hausaufgabe für die Sommerferien von seinem Kompositionsprofessor erbitten, doch dann überreicht Jules Massenet seinem gerade einmal 17-jährigen Lieblingsstudenten Reynaldo Hahn gleich ein veritables Opernlibretto, die Bühnenfassung eines Erfolgsromans von Pierre Loti. Drei Jahre quält sich der angehende Komponist mit der Arbeit an der...
