Schwarze Kacheln
Die «grauenvolle Stille», welche Florestan im finstersten Winkel des Staatsgefängnisses von Sevilla umfängt, ist so beredt wie eine Generalpause in einer Symphonie von Anton Bruckner. Die Assoziationsmaschine seines Gehirns läuft auf Hochtouren. Er denkt zurück an des Lebens Frühlingstage und antizipiert zugleich hellere Zeiten, imaginiert «sanft säuselnde Luft», gar einen Engel, der ihn zur Freiheit führt. Eine derart tosende Stille, in der selbst Kerkerschimmel noch die Imagination von «rosigem Duft» hervorruft, bedarf freilich der sinnlich-analogen Vermittlung.
Die Bewusstseinsströme der Energien, Erinnerungen und Emotionen müssen fließen können – selbst dann, wenn nur ein einzelner Mensch sein Schicksal verhandelt, wie hier in einer die Vereinzelung auf die Spitze treibenden Arie von Beethoven, in der die Utopie, ins «himmlische Reich» auszubrechen mit der Fast-Schon-Unsingbarkeit der tenoralen Extremlage einhergeht.
Doch wie ist das mit der neuen Stille auf den verwaisten Bühnen, in extradünn besetzten Proben- und Unterrichtsräumen einer künstlerischen Hochschule? Was sagt uns diese Stille? Im dominant gewordenen, derzeit verpflichtenden Digitalkontext der ...
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Opernwelt März 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 19
von Peter Krause
Es gibt einen Meyerbeer vor Meyerbeer. Ehe der Berliner Bankiersspross 1831 in Paris mit «Robert le Diable» ins Metropolen-Rampenlicht trat und danach mit «Les Huguenots», «Le prophète» und «Vasco da Gama» bahnbrechende Grands Opéras schrieb, entstanden zwischen 1817 und 1824 in Italien Werke, die sich erkennbar der dortigen Operntradition verschrieben und doch...
Thetis galt als die schönste Tochter des Meeresgottes Nereus; Peleus wiederum war ein normaler, sterblicher Mann, vielleicht ein bisschen der Typus macho mediterraneo. Als er die in einer Grotte schlafende Nymphe sah, überwältigte er sie und ließ sie nicht mehr los, obwohl sie sich ihm durch allerlei Zaubertricks zu entziehen suchte. Doch sein respektloses Zupacken...
Bei der Lektüre von Patrick Grahls klugem Booklet-Beitrag zum vorliegenden Liedalbum könnte man auch an Moritz von Schwinds berühmte Zeichnung «Ein Schubert-Abend bei Josef von Spaun» denken: Franz Schubert am Klavier, links neben ihm der Hofopernbariton Johann Michael Vogl, um sie gedrängt die Freunde. Grahl geht es freilich um Mendelssohn; er bezieht sich im...
