Schwarz und Weiß

Wolfgang Schreiber über Strauss’ «Ariadne auf Naxos» bei den Opern­festspielen München

Die alte dramaturgische Devise vom «Theater auf dem Theater» liegt bei der Oper «Ariadne auf Naxos» so nahe, dass man sie als ausgeleiert abbuchen könnte. Sie ist aber gerade dieser Oper fest eingeschrieben, und so erlebt der Besucher von Robert Carsens Neuinszenierung bei den Münchner Opernfestspielen das doppelte Theater schon vor Beginn der Aufführung im Prinzregententheater: Die offene Bühne ist Ballettprobensaal, in dem eine Tanzkompanie trainiert.

Es beginnt das Vorspiel, das Kent Nagano symphonisch objektiviert, mit zurückhaltender Emotion darstellt: Leicht und rasch fließt das fein gewobene Linienspiel dahin, die artistische Formkunst des zur Reife gelangten Meis­ters Strauss.
Nagano und das filigran arbeitende Bayerische Staatsorchester verstehen es scheinbar mühelos, Intensität und Spannung des gemeinsamen Musizierens mit den Sängern zu halten, wenn nötig zu steigern. Und Robert Carsen steuert mit reflektiert virtuoser Regie ein betörend lebhaftes Spiel der Korrespondenzen, der Gefühle, ­Irrungen und Wirrungen eines äußerst gelenkigen Personals. Carsen, 1991 erstmals an der Bayerischen Staatsoper («Lucia di Lammermoor» mit Edita Gruberova), und sein Bühnenbildner Peter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Festspiele I, Seite 26
von Wolfgang Schreiber

Vergriffen
Weitere Beiträge
Schlager und Raritäten

Auch wenn die ursprünglich für das diesjährige Festival in Macerata geplanten Neuproduktionen von Verdis «Attila» und Hindemiths «Neues vom Tage» aus finanziellen Gründen gestrichen bzw. verschoben werden mussten, war die 44. Saison in der Arena Sferisterio (den Bau hat man Mitte des 19. Jahrhunderts als Sta­dion für eine lokale Variante des Pelota-Spiels...

Des Kaisers lange Beichte

Alle reden vom Auge, seitdem James Bond die Seebühne zum Abenteuerspielplatz seiner Verfolgungsjagden erkor und das ZDF-Plaudertrio uns vor der «Tosca»-Kulisse die Fußball-EM erklärte. Wer immer auf die begnadete PR-Idee kam, Film- wie Fernsehleute ans Bregenzer Ufer zu locken – er hat sich bleibende Verdienste um die weitere Kommerzialisierung der südöstlichen...

Schön erzählt

Wer kann, der kann. Kopenhagen hat in den vergangenen Jahren mit durchweg haus­eigenen Kräften einen «Ring» auf die Beine gestellt, der länger in Erinnerung bleiben wird als so manche Bayreuther Produktion nach Chéreau. Der dänische Regisseur Kasper Bech Holten erzählt die verschlungene, über Generationen wirkende Geschichte als Rückblende aus der Sicht...