Glanz und Grenzen des Wagner-Gesangs
Das Gefühl, dass früher alles besser war, entspringt in der Regel eher dem Unbehagen an der unübersichtlichen Gegenwart oder dem Willen zu nostalgischer Verklärung als überprüfbaren Fakten. Vergleicht man das Niveau des Wagner-Gesangs heute mit dem der Vorkriegs- und ersten Nachkriegsjahrzehnte, kann man gleichwohl ins Grübeln kommen.
Der Daland, Landgraf oder Hagen eines Josef Greindl, die Ortrud einer Astrid Varnay, die Brangäne einer
Christa Ludwig, der Tannhäuser, Tristan, Loge und Siegfried eines Wolfgang Windgassen oder die Isolde und Brünnhilde einer Birgit Nilsson müssten in puncto Atemkraft, Radius, Beweglichkeit, Präzision, Ausdruck und Aussprache beinahe allen Bayreuth-«Stars» unserer Tage eigentlich die Schamesröte ins Gesicht treiben. Die vokalen Standards jedenfalls, die während der fünfziger und sechziger Jahre auf dem Hügel selbstverständlich waren, werden heute nur noch selten eingelöst. Die zum Teil deplorablen Leistungen der jüngsten Hügel-Saison schreiben eine Entwicklung fort, die – einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel – ein trübes Licht auf das Wagner-Fach wirft.
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