Bis zur Weißglut
Wenn Don Giovanni etwas Luziferisches hat, wenn er jenes weiß glühende Feuer verbreitet, an dem man sich nur verbrennen kann, so hat Elke Neidhardt diesen Charakterzug in ihrer Inszenierung von Mozarts Meisterwerk an der Oper in Sydney genau getroffen. Besonders das Finale (ohne das atavistische, moralintriefende Sextett) beeindruckt: In der Spitze des sich nach hinten verjüngenden dreieckigen Raums, dessen Wände zahlreiche Spiegeltüren zieren, erscheint eine Tafel, auf der weiße Lichtlinien ständig neue geometrische Muster bilden.
Alles ist hier im Fluss, die Ordnung außer Kraft gesetzt. Kein Wunder, dass Don Giovanni, eine durch und durch launenhafte Natur, sich manisch von diesem Bild des flüchtigen Schicksals angezogen fühlt. Derweil schwappen d-moll-Stürme durch den Saal, ist von hinten der Geisterchor zu hören. Das Licht wird heller und heller, gleißt so lange auf, bis dieser verfluchte Lebemann und teuflisch konsequente Protagonist des dionysischen Lebensprinzips, gleichsam symbolisch, dem eigenen inneren Feuer zum Opfer fällt.
Es ist auch das bewegende Ende einer temporeichen, vor Einfällen sprühenden, zugleich disziplinierten Produktion. Das Nachtdunkel der Schauplätze ...
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