Eiskalte Beziehungen
Seit dieser Spielzeit ist Heribert Germeshausen Intendant der Dortmunder Oper – ein neugieriger Theatermann, der schon in Heidelberg gezeigt hat, wie moderne Oper in Repertoire und Publikumsansprache funktionieren (und überleben) kann. Auch in Dortmund traut er sich was und holt jetzt – als deutsche Erstaufführung – mit Luca Francesconis anspruchsvollem Kammerstück «Quartett» eine zeitgenössische Erfolgsoper auf die Bühne, die seit der Scala-Uraufführung 2011 ihren internationalen Weg nahm und demnächst von Robert Wilson und Daniel Barenboim in Berlin herausgebracht wird.
Natürlich hat es neue Musik immer schwer. Dennoch wird der anwesende Komponist bei der Premiere enttäuscht gewesen sein vom weitgehend abwesenden Publikum: Nur das halbe Parkett des Großen Hauses war am Gründonnerstag besetzt. Man fragt sich, wie (Musik-)Theater als aufklärerische Anstalt noch wirken kann, wenn die, die es betrifft, einfach zu Hause bleiben.
Wobei der geistig-soziale Komplex «Aufklärung» schon im 1982 uraufgeführten Theaterstück von Heiner Müller, auf dem Francesconis Oper beruht, massiv in Frage gestellt wird. In «Quartett» legt Müller des Bourgeois liebstes Kind, die Liebe als Gebieterin des ...
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