Torte im Borschtsch
In der Woche vor der Premiere von Mussorgskys «Boris Godunow» an der Wiener Staatsoper war Vladimir Putin auf Staatsbesuch in Wien, was die satirische Bemerkung kursieren ließ, Macht wechsle häufiger von Hand zu Hand als von Kopf zu Kopf. Als Aphorismus klingt das gut, doch ist es leider historische Realität – nicht nur der russischen Geschichte, die in Mussorgskys Opus summum eine geradezu nihilistisch zugespitzte Parabel gefunden hat.
Assoziationen zur Allianz von Macht und Mord wollte der inszenierende Bühnenbildner Yannis Kokkos nicht beiseiteschieben.
So findet sich in seinem ansonsten ästhetisch unbefleckten, aus geometrischen Zeichen und Ikonenzitaten zusammengesetzten Dekor eine jener typischen Statuen: der große Führer in Erz, unverbrüchlich, ungebärdig, unausweichlich, unausstehlich. Wenn auch nicht unverletzlich, wie das letzte Bild suggeriert, in dem die Statue gestürzt ist und Grigori Otrepjew, der falsche Dimitri, wie weiland Boris Jelzin auf sie steigt. Im Hintergrund freilich reckt sich ein Klon des alten Denkmals, visuelles Signal für den Geschichtspessimismus Karamsins, Puschkins und in deren Folge auch Mussorgskys.
Kein neuer Ansatz zwar, aber einer, aus dem ...
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