Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk
Die Mauern des Hinterhofes sind so hoch, dass man den Himmel nicht sieht. Manche der Fenster sind vergittert. Sie umrahmen die Tristesse von Arbeiterinnen an der Nähmaschine. Über ihnen könnte eine Aufseherpeitsche aus der Zarenzeit zischen. Oder die stalinistische Gewalt (der Entstehungszeit der «Lady») hängen. Oder auch die neue postsowjetische Trostlosigkeit.
An den sprichwörtlichen Birkenwald, den imaginären Erholungsort der russischen Seele, erinnern Reste einer Tapete im nur angedeuteten Zimmer von Katerina: Hier langweilt sie sich, hier wird die Köchin vergewaltigt, hier wird die Herrin des Hauses erniedrigt. Hier vergiftet sie ihren sadistisch altersgeilen Schwiegervater Boris (standfest viril: Jon Pecevich) mit Rattengift. In der Mitte dieses Einheitsraumes verschwinden die Leichen im Keller, etwa die von Katerinas gelacktem Ehemann Sinowi (etwas zu leichtgewichtig: Frieder Aurich), den sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber Sergej (mit tenoraler Vehemenz: Erin Caves) in der Dusche absticht. Aber auch uniformierte Möchtegern-Ordnungshüter in lassen einen harmlosen Spinner, der in den Fröschen die Seele sucht, dort verschwinden. Kurz: In diesem Hof ist die perverse ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wie viele Opernhäuser braucht eine Stadt? Die Frage lässt sich nicht aufs Geld reduzieren. Sie hat genauso mit Ästhetik, Publikumsstrukturen und gewachsener Geschichte zu tun. Im Grunde ist sie eine nach der Aktualität der Gattung selbst. Und sie stellt sich als solche nicht nur in Berlin, wo die frisch gegründete Opernstiftung bereits ziemlich alt aussieht und die...
Herr Schindhelm, Sie haben vor kurzem öffentlich erklärt, dass die Berliner Opernhäuser die bis 2009 vorgeschriebenen Einsparungen nicht erbringen können. Was hat Sie zu diesem dramatischen Schritt veranlasst, obwohl bis zum Stichtag noch drei Jahre Zeit sind?
In den Planungen liegt das Jahr 2008 bereits hinter uns – und wir wissen nicht, wie wir es bezahlen sollen....
Claudio Monteverdi spielt im Repertoire der großen internationalen Bühnen schon längst nicht mehr die Außenseiterrolle, in die er lange abgedrängt war. Es gab in den letzten vierzig Jahren viele wichtige, ja bahnbrechende Interpretationen in szenischer wie musikalischer Hinsicht. Der Amsterdamer Zyklus seiner drei abendfüllenden Opern, der jetzt bei Opus Arte auf...
