Schostakowitsch: Lady Macbeth von Mzensk

Weimar

Opernwelt - Logo

Die Mauern des Hinterhofes sind so hoch, dass man den Himmel nicht sieht. Manche der Fenster sind vergittert. Sie umrahmen die Tristesse von Arbeiterinnen an der Nähmaschine. Über ihnen könnte eine Auf­seherpeitsche aus der Zarenzeit zischen. Oder die stali­nis­tische Gewalt (der Entstehungszeit der «Lady») hängen. Oder auch die neue postsowjetische Trostlosigkeit.

An den sprichwörtlichen Birkenwald, den imaginären Erholungsort der russischen Seele, erinnern Reste einer Tapete im nur angedeuteten Zimmer von Katerina: Hier langweilt sie sich, hier wird die Köchin vergewaltigt, hier wird die Herrin des Hauses erniedrigt. Hier vergiftet sie ihren sadis­tisch altersgeilen Schwiegervater Boris (standfest viril: Jon Pecevich) mit Rattengift. In der Mitte dieses Einheitsraumes verschwinden die Leichen im Keller, etwa die von Katerinas gelacktem Ehemann Sinowi (etwas zu leichtgewichtig: Frieder Aurich), den sie gemeinsam mit ihrem Liebhaber Sergej (mit tenoraler Vehemenz: Erin Caves) in der Dusche absticht. Aber auch uniformierte Möchtegern-Ordnungshüter in lassen einen harmlosen Spinner, der in den Fröschen die Seele sucht, dort verschwinden. Kurz: In diesem Hof ist die perverse ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 55
von Joachim Lange

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Leicht muss man sein»

Herr Thielemann, brauchen wir nach der Kanon-Debatte in der Literatur auch eine vergleichbare Diskussion für die Musik?
Klassiker sind wie das tägliche Brot. Wir kämen nicht auf die Idee zu sagen: Ab morgen werden wir nicht mehr mit Wasser duschen, weil uns dieses Wasser nach Jahrtausenden jetzt auf den Senkel geht. Und so sehe ich das auch mit den Klassikern....

Zandonai: Francesca da Rimini

Die ehemals Fürstbischöfliche Oper in Passau ist mit dreihundertdreißig Plätzen wohl eines der kleins­ten öffentlichen Theater der Welt. Und doch bietet das von Stefan Tilch geleitete Haus ein von Händel über Verdi bis zu Strauss und Britten reichendes Programm, das es mit den «Großen» aufnehmen kann. Und jetzt Riccardo Zandonais «Fran­ces­­ca da Rimini»,...

Verdi-Dämmerung in Parma

Auch das Publikum ist nicht mehr das, was es einmal war. Beispiel: Parma. In der Verdi-Hochburg übte es noch in den frühen sechziger Jahren mit gnadenloser Strenge sein selbst erteiltes Richteramt aus. Auch die Großen blieben nicht verschont. Rosanna Carteri etwa flüchtete sich während einer «Traviata»-Aufführung vor den Missfallenskundgebungen in eine Ohnmacht,...