Schönste Wiener Opernblumen
Salome, schönste Blume des Morgenlands? Nein, falsches Stück, falsches Genre. «Die alte Hur’ is net umzubringen», soll Robert Stolz über seinen (nach der Prinzessin benannten) «orientalischen Foxtrott» gesagt haben. In der Volksoper Wien aber steht nicht etwa irgendeine Stolz’sche «Salome»-Revue auf dem Programm, sondern Strauss’ seinerzeit skandalös-monströser Einakter. Musikalisch eine lohnende wie lehrreiche Herausforderung für das Haus – und zugleich die letzte Premiere des nach gut einer Spielzeit schon wieder scheidenden Musikdirektors Omer Meir Wellber.
Orchester wie Ensemble sind gut studiert und liefern grosso modo eine beachtliche Leistung, auch wenn die reduzierte Besetzung zu bläserlastig und punktuell rücksichtslos laut tönt. Vor allem aber drückt der Dirigent aufs Tempo. Rasch, flirrend soll diese «Salome» klingen. Das mag man als unsentimental goutieren, doch verbiegt es die rauschende Sinnlichkeit ins Exaltiert-Hektische. Jede Ruhe fehlt, auch dort, wo die Partitur sie schon aus Kontrastgründen brauchte. Astrid Kessler klingt als Salome dort am besten, wo sie alles geben kann und muss: Im Schlussgesang segelt ihr Sopran respektabel auf den orchestralen Wogen. ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Walter Weidringer
Madamina, il catalogo è questo»: In Simon Steen-Andersens neuem Musiktheater «Don Giovanni aux Enfers» wird Leporellos berühmte Arie nicht aufgeführt. Stattdessen erleben wir einen Katalog von derart vielen Opernzitaten, dass dieses Werk mit dem Untertitel «Aller-retour aux enfers lyriques en un acte» (Hin und zurück in die lyrische Hölle in einem Akt) beinahe wie...
Der Chor schwimmt, und das vorzüglich. Gewöhnlich ein Handikap von Laienvereinigungen, erweist sich die Tätigkeit hier als Kompetenzzuwachs von Profis, denn die Mitglieder gleich dreier Chöre singen nicht nur sitzend am Ufer des riesigen Bassins, das in den Hangar 1 des Flughafens Tempelhof gesetzt wurde, sie harren nicht nur schiffbrüchig auf einem Floß aus,...
Es ist im Grunde immer wieder dieselbe Geschichte. Und sie erzählt nicht nur von einem Durchbruch, sondern auch von einem lästigen Label: Nachfolgerin der Callas, diesen Titel wurde Renata Scotto nie richtig los. Im Herbst 1957 war es, als sich in Edinburgh ein angeblicher Callas-Skandal ereignete. Dabei hatte die gastierende Scala nur fünf Aufführungen vereinbart....
