Schöngeist
Ungezählte Male ist es passiert seit der Premiere Anno 1972 und noch immer passiert es: Wenn der Vorhang zum zweiten Akt aufrauscht, den Blick freigibt auf Faninals bekronleuchtertes Silbertraum-Palais, wird im Münchner Nationaltheater applaudiert. Eine legendäre «Rosenkavalier»-Szenerie wird gefeiert. Und mit ihr sein Urheber, neben Karl-Ernst Herrmann und Achim Freyer einer der letzten Vertreter detailversessener Bühnenschönheit. Jürgen Rose, der am 25. August seinen 80. Geburtstag feiert, ist im Glauben an die Kraft des Ästhetischen ein Extremist geblieben.
Anekdoten, die davon berichten, wie er für eine Inszenierung auf einem afrikanischen Markt nach passenden Knöpfen für ein Kostüm fahndet, gibt es zuhauf. Und das Beste: Sie sind alle wahr.
Rose, der sein Haus bei Murnau zur oberbayerischen Variante von Klingsors Zaubergarten machte, kann Regisseuren und Intendanten in seinem Perfektionismus sehr lästig werden. Die Ergebnisse, ob für John Crankos «Eugen Onegin» oder John Neumeiers «Nussknacker», für August Everdings «Zauberflöte», Götz Friedrichs «Tannhäuser» oder die zahlreichen Inszenierungen seines Theaterdauerpartners Dieter Dorn – sie sprechen nicht nur für sich, sie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
In Dresden, der Stadt seiner Uraufführung, kam schon 1948, kurz nach dem Krieg, ein neuer «Rosenkavalier» heraus. Die Produktion bildete die Grundlage für eine Rundfunk-Studioaufnahme, die nun unter Verwendung der Originalbänder für die verdienstvolle Reihe «Semperoper Dresden» auf CD erschienen ist.
Allerdings wurde die Premierenbesetzung in fast allen wichtigen...
Was würde passieren, striche man, einfach so, in einer Aufführung die letzten Takte des «Tristan» oder die anapästischen Fortissimo-Schläge am Schluss von Strauss’ «Salome»? Rechtschaffene Empörung würde die Verantwortlichen überrollen – zumal in München. Obwohl dort zum Auftakt der Opernfestspiele die vier Schlusstakte von Franz Schrekers Dreiakter «Die...
Es ist gerade mal zwölf Monate her, da drohte das größte Freiluftopernfestival der Welt, seit 1913 ob seiner großartigen Bühnenspektakel gerühmt, unrettbar in den Bankrott zu schlittern. Eine angesichts ungebrochener Popularität paradoxe Situation, die auf das inkompetente Management des Veroneser Bürgermeisters Flavio Tosi und des von diesem engagierten...
