Foto: Theater/Ennevi
Noch mal davongekommen
Es ist gerade mal zwölf Monate her, da drohte das größte Freiluftopernfestival der Welt, seit 1913 ob seiner großartigen Bühnenspektakel gerühmt, unrettbar in den Bankrott zu schlittern. Eine angesichts ungebrochener Popularität paradoxe Situation, die auf das inkompetente Management des Veroneser Bürgermeisters Flavio Tosi und des von diesem engagierten Intendanten Francesco Girondini (einem Agrarexperten) zurückzuführen war.
Weil eine unvergleichliche Spielstätte – das römische Amphitheater, in dem rund 13 500 Zuschauer Platz finden – (Opern-)Touristen aus aller Welt anlockt, konnte die Betreibergesellschaft stets mit Bestmarken werben: Die Erlöse decken 51 Prozent des Gesamtetats; der Personalkostenanteil liegt bei 53 Prozent, so niedrig wie in keinem anderen Theater oder Festival, das als Fondazione lirica registriert ist; die Umwegrendite für die Stadt wird auf rund 500 Millionen Euro per annum geschätzt. Dennoch stiegen die Verbindlichkeiten bei diversen Banken von drei Millionen (2011) auf 16 Millionen Euro (2015), die Forderungen von Zulieferbetrieben beliefen sich auf 11 Millionen Euro, die Gesamtschulden explodierten von 17 Millionen (2008) auf fast 29 Millionen Euro.
Di ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zwei Jahre bleiben Aviel Cahn noch als Intendant der Opera Vlaanderen. In der verbleibenden Zeit hat der Schweizer, der 2019 an das Grand Théâtre Genf wechselt, noch viel vor in Antwerpen und Gent. Die kommende Spielzeit 2017/18 etwa wird er mit Erich Wolfgang Korngolds höchst selten aktiviertem «Wunder der Heliane» eröffnen. Für einen neuen Blick auf Debussys...
Ein dunkles Summen von Saiten, ein geheimes Wühlen aus dem Schlagzeug, mehr ist da anfangs nicht. Klang, der sich vorantastet. Der Chor spuckt das Wort «dust» aus, Konsonanten zischen: In einem schlichten Saal beobachten Höflinge an langen Tafeln die Auseinandersetzung zwischen Hamlet und dem frisch vermählten Königspaar. Es wird getrunken, zu essen sieht man...
Wir stellen uns die Szene vor. Eine Party. Im Salon die Erwachsenen, angeregt über Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft disputierend. Nebenan eine bunte Rasselbande, im enthemmten Durcheinander. Mitten unter ihnen, auf Knien durchs Zimmer rutschend, ein soignierter Herr im Anzug ... Eine Fiktion. Allein, sie war Realität. Maurice Ravel liebte es, unter den...
